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Wissenschaft

300.000 Jahre alte Genome entschlüsseln Geschichte der Schöninger Pferde

Forscher haben Genome einer 300.000 Jahre alten, ausgestorbenen Pferdearte rekonstruiert. Das ist die älteste DNA, die jemals an einem Freilandfundort geborgen wurde und schließt eine Lücke im Verständnis der Pferdeevolution.

10. Juni 2026
300.000 Jahre alte Genome entschlüsseln Geschichte der Schöninger Pferde
Bild ist eine KI-generierte Illustration

Ein Forschungsteam des Senckenberg Centrums für Humani-volution und Paläoanthropologie der Universität Tübingen hat erstmals die Genome eines ausgestorbenen Pferdes, Equus mosbachensis, rekonstruiert, das auf der archäologischen Fundstelle Schöningen in Niedersachsen entdeckt wurde. Die datierten Fossilien sind rund 300.000 Jahre alt. Dies stellt die älteste je an einem Freilandfundort gewonnene DNA dar und übertrifft bisherige Rekorde aus Höhlen oder Permafrostböden deutlich.

Die außergewöhnlich guten Konservierungsbedingungen am Fundort ermöglichten die Bergung der ältesten DNA unter Freilandbedingungen. Die Knochen der Pferde waren in dauerhaft feuchten, sauerstoffarmen Sedimenten beigesetzt, was einen natürlichen Schutz des genetischen Materials bot. Mithilfe spezieller molekularer Techniken und neuer bioinformatischer Methoden konnten die Forscher das genetische Material des nahezu 300.000 Jahre alten Tieres rekonstruieren.

Die Fundstelle Schöningen ist bekannt für die ältesten bekannten vollständigen Jagdwaffen der Welt, Holzspeere, die ebenfalls etwa 300.000 Jahre alt sind. Die Entdeckung von mindestens 20 Pferdeknochen in unmittelbarer Nähe der Speere belegt die zentrale Rolle, die Pferde schon für frühe Menschen als Nahrungsquelle spielten, lange vor ihrer Domestizierung. Die genetischen Analysen zeigen, dass die Schöninger Pferde einer Linie angehören, die als Ursprung aller heutigen Pferde gilt.

Die in "Nature Ecology & Evolution" veröffentlichte Studie schließt eine bedeutende zeitliche und geographische Lücke in der Erforschung der Pferdeevolution. Die Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, dass auch unter scheinbar ungünstigen Bedingungen im Freiland extrem alte DNA überdauern kann. Die Forscher hoffen, diese Methoden auf weitere Arten und Fundstellen anwenden zu können, um so die genetische Vielfalt der fernen Vergangenheit besser zu verstehen.

Originalquelle: senckenberg.de