Paracetamol verursacht häufiger Leberschäden als Alkohol
Eine neue Studie zeigt einen Anstieg von 400 % bei Leberschäden durch Fremdstoffe in den letzten 25 Jahren. Hauptursache war Paracetamol, nicht Alkohol.

Eine neue Studie belegt einen deutlichen Anstieg von Leberschäden, die durch Fremdstoffe wie Medikamente und andere Substanzen verursacht werden. Über die letzten 25 Jahre hinweg stieg die Zahl der Fälle um 400 %. Dabei wurde Paracetamol, der Wirkstoff in gängigen Schmerzmitteln wie Tylenol, als Hauptursache identifiziert, noch vor Alkohol.
Die von Dr. Christopher P. Holstege vom Blue Ridge Poison Center der University of Virginia Health geleitete Untersuchung analysierte Daten zu 220.160 Fällen von Leberschäden durch „Xenobiotika“, also körperfremde Substanzen. Die Inzidenzrate von Leberschäden durch diese Stoffe stieg von 11 auf 53 Fälle pro Million Menschen. Eine große Mehrheit der Patienten mit medikamenteninduzierten Leberschäden benötigte einen Krankenhausaufenthalt, wobei die Raten bei 85 % für Männer und 94 % für Frauen lagen.
Der Mechanismus hinter Paracetamol-induzierten Leberschäden hängt mit seinem Stoffwechsel zusammen. Ein kleiner Teil des Paracetamols wird in ein toxisches Nebenprodukt namens NAPQI umgewandelt. Die Leber neutralisiert NAPQI normalerweise mithilfe von Glutathionmolekülen. Eine übermäßige Aufnahme von Paracetamol kann jedoch die Glutathionreserven der Leber erschöpfen, wodurch sich NAPQI ansammeln und Zellschäden verursachen kann. Symptome können von Bauchschmerzen und Übelkeit bis hin zu schweren Komplikationen wie Leberversagen reichen, insbesondere wenn Personen unwissentlich mehrere paracetamolhaltige Medikamente einnehmen.
Paracetamol ist in Hunderten von Produkten enthalten, darunter gängige rezeptfreie Schmerzmittel und Erkältungsmedikamente. Verbraucher können unbeabsichtigt eine Überdosis erleiden, indem sie verschiedene Produkte kombinieren, ohne zu erkennen, dass sie alle den gleichen Wirkstoff enthalten. Das Risiko ist erhöht, wenn sie auf nüchternen Magen eingenommen werden. Personen mit vorbestehenden Lebererkrankungen oder solche, die regelmäßig Alkohol konsumieren, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Im Jahr 2011 empfahl die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA), die Abgabe von Kombinationspräparaten mit mehr als 325 mg Paracetamol einzustellen. Laut der Studie sanken die Fälle, die paracetamolhaltige Medikamente betrafen, nach dieser Empfehlung um 85 %. Mediziner raten Verbrauchern weiterhin, die Medikamentenetiketten sorgfältig zu prüfen, um eine versehentliche Überdosierung zu vermeiden.