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Altersbilder in Deutschland: "Alter wird häufig als Problem wahrgenommen"

Kulturantropologin Leonie Koch kritisiert in einem Interview mit "Out of the Box" die negativen Altersbilder in Deutschland und fordert Unternehmen auf, das Potenzial älterer Arbeitnehmer stärker zu nutzen.

24. September 2026
Altersbilder in Deutschland: "Alter wird häufig als Problem wahrgenommen"

Die deutsche Gesellschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt kämpfen mit negativen Altersbildern, die zur Diskriminierung älterer Arbeitnehmer führen. Leonie Koch, promovierte Kulturanthropologin und Content Managerin bei Otto, kritisiert in einem Interview mit "Out of the Box", dass Medien und Werbung ein verzerrtes Bild von Alter zeichnen, das Jugendlichkeit überbetont und die Fähigkeiten von Menschen über 50 oft übersieht.

"Das Alter wird jedenfalls häufig als Problem dargestellt und auch wahrgenommen", so Koch. Sie verweist auf Begriffe wie "Rentner-Tsunami" und Diskussionen zur Pflegeversicherung, die ein Bild der älteren Generation als Belastung vermitteln. Diese Darstellung sei kulturell verkürzend und ignoriere die Potenziale, die in der Bevölkerungsgruppe zwischen 60 und 90 Jahren stecken.

Für Arbeitgeber sei es essenziell, ihr Personalmarketing und ihre Recruiting-Strategien kritisch zu hinterfragen. Koch fordert ein Ende alterssensibler Sprache in Stellenausschreibungen, wie etwa die Formulierung "junges dynamisches Team". Unternehmen müssten zudem interne Vorurteile ausräumen, ob ältere Mitarbeiter lernfähig, digitalaffin oder zu teuer seien. Die dafür notwendigen Daten lägen meist vor, es fehle aber oft an der Bereitschaft zur Auseinandersetzung.

Koch nennt das von ihr mitgegründete Netzwerk #experienced bei Otto als Beispiel für einen positiven Ansatz. Seit 2017 setzt sich die Initiative dafür ein, die Jugendfixierung in der Personalentwicklung zu durchbrechen. Otto hat Altersdiversität inzwischen als strategische Dimension anerkannt, was Koch als Vorreiterrolle unter Großkonzernen wertet.

Abschließend betont Koch die Notwendigkeit, bei der Produktentwicklung und in der Werbung alle Altersgruppen einzubeziehen. Sie warnt davor, sich auf Extrempositionen zu konzentrieren und hebt hervor, dass die Vielfalt zwischen diesen Extremen zu oft übersehen werde.

Originalquelle: seven.one