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KI verändert Journalismus und Medienvertrauen

Journalismus-Professor Christian Stöcker warnt, dass KI-generierte Bilder und Videos das Misstrauen schüren und die Grundlagen vertrauenswürdiger Nachrichtenberichterstattung gefährden.

12. Juni 2026
KI verändert Journalismus und Medienvertrauen

Die rasant fortschreitende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) stellt den traditionellen Journalismus vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere angesichts der Verbreitung von KI-generierten visuellen und auditiven Inhalten. Christian Stöcker, Professor für Digitale Kommunikation an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und Kolumnist für "Der Spiegel", betont, dass KI-erstellte Bilder und Videos für Menschen äußerst überzeugend wirken und somit Täuschungen erleichtern.

"Menschen lassen sich mit Bildern relativ leicht überzeugen", erklärt Stöcker. Seiner Ansicht nach verarbeitet das visuelle Gedächtnis Bilder ähnlich wie persönliche Erlebnisse, was sie unmittelbar und eindrücklich macht. Diese Fähigkeit, die Realität durch visuelle Mittel zu manipulieren, wurde durch KI verstärkt und führt zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber allen Medieninhalten.

"Es ist möglicherweise sogar ein größeres Problem, dass das Vertrauen in echte Videos erodiert", führt Stöcker aus. Er verweist auf sowjetische Propagandahandbücher aus den 1920er Jahren, die die Streuung von Zweifeln betonten, anstatt dass die Menschen direkt an die Propaganda glaubten. Die zunehmend realistischen Fälschungen von Videos und Audioinhalten, die durch KI ermöglicht werden, verstärken dieses grundlegende Misstrauen und stellen eine echte Herausforderung für den glaubwürdigen Journalismus dar.

Stöcker merkt jedoch an, dass das Medienvertrauen in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern immer noch relativ hoch ist. Er räumt ein, dass die Medien ständigen Angriffen ausgesetzt sind und Kampagnen wie "Lügenpresse" darauf abzielen, das Vertrauen zu untergraben. "Das Ziel ist, die deutsche Gesellschaft zu schwächen", warnt er und stellt klar, dass die Aushöhlung des Vertrauens in eigentlich verlässliche Institutionen auch die Funktionsfähigkeit einer demokratischen Gesellschaft beeinträchtigt.

Nach Ansicht Stöckers wird KI die Arbeit von Journalisten jedoch nicht ersetzen. "Die KI geht nicht zur Pressekonferenz", stellt er bildlich fest. Sie kann zwar Nachrichtenredaktionen unterstützen, beispielsweise bei der Datenanalyse oder bestimmten Inhaltsgenerierungen, doch ihr fehlt die Fähigkeit zur unabhängigen Berichterstattung, kritischem Denken und ethischen Entscheidungsfindung, die Eckpfeiler qualitativen Journalismus bilden.

Originalquelle: ndr.de