Hilfsorganisationen warnen: Kommerzialisierung des Rettungsdienstes gefährdet Bevölkerungsschutz
ASB, DRK, Johanniter und Malteser in NRW kritisieren die Kommerzialisierung von Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz. Sie bemängeln, dass die aktuelle Vergabepraxis, die den Preis in den Vordergrund stellt, die Qualität der Leistungen und die Bedingungen für ehrenamtliche Helfer untergräbt.

Die Hilfsorganisationen ASB, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter und Malteser in Nordrhein-Westfalen haben in einer gemeinsamen Erklärung vor den Gefahren der Kommerzialisierung des Rettungsdienstes und des Bevölkerungsschutzes gewarnt.
Die Organisationen bemängeln, dass durch die aktuelle Vergabepraxis, bei der der Preis oft das entscheidende Kriterium ist, negative Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und Gehälter des Personals entstehen. Berichte über solche Fälle liegen den Organisationen auch aus NRW vor.
Zudem sei die enge Verzahnung von Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz in NRW durch die häufigen Ausschreibungen und Anbieterwechsel gefährdet. Einsatzeinheiten im Bevölkerungsschutz müssten abgemeldet werden, da ehrenamtliche Helfer nicht mehr die notwendigen Übungsmöglichkeiten im Rettungsdienst hätten, um ihre Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Hilfsorganisationen betonen die essenzielle Rolle ehrenamtlicher Kräfte für die Sicherheit bei Großveranstaltungen. Ohne ihren Einsatz wären Karnevalsfeiern, Fußballspiele und Musikfestivals in NRW nicht denkbar. Allein in Münster leisteten die Ehrenamtlichen der Organisationen laut einer Berechnung über 48.000 Stunden im Wert von 1,2 Millionen Euro innerhalb eines Jahres.
Die vier Hilfsorganisationen fordern daher eine Ausnahme für Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz vom Vergaberecht, da diese als eine Einheit betrachtet werden müssen. Sie appellieren an die Politik, das bewährte System zu erhalten und die Kommerzialisierung zu beenden. Konkrete Vorschläge zur Umsetzung wurden bereits ausgearbeitet und mit politischen Entscheidungsträgern sowie der Verwaltung diskutiert.