Fledermaus-Genom erklärt Immunität gegen Coronaviren
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Fledermäuse über spezifische genetische Anpassungen verfügen, die es ihnen ermöglichen, Coronaviren ohne Symptome zu tolerieren.

Im Rahmen des internationalen Bat1K-Projekts hat ein Forschungsteam unter Beteiligung des Senckenberg Forschungsinstituts die Genome von zehn Fledermausarten entschlüsselt. Die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Fledermäuse deutlich häufiger Anpassungen in ihren Immun-Genen aufweisen als andere Säugetiere.
Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Gen ISG15, das beim Menschen bei schweren COVID-19-Verläufen eine Rolle spielt. Laborversuche zeigten, dass die ISG15-Variante bestimmter Fledermäuse die Produktion von SARS-CoV-2-Viren um bis zu 90 Prozent reduzieren kann. Dies deutet auf einen effizienteren antiviralen Mechanismus hin, als er im menschlichen Genom vorhanden ist.
Prof. Dr. Michael Hiller vom Senckenberg Forschungsinstitut ordnet die Ergebnisse als evolutionäre Besonderheit ein, die eng mit der Entwicklung der Flugfähigkeit verknüpft sein könnte. Da Fledermäuse als natürliche Träger verschiedener Viren bekannt sind, ohne selbst daran zu erkranken, gilt ihre Genetik als Modell für medizinische Ansätze zur Krankheitsbekämpfung.
Die Wissenschaftler planen nun weiterführende experimentelle Studien, um die gewonnenen Erkenntnisse über die Immuntoleranz der Fledermäuse langfristig für die Entwicklung neuer medizinischer Therapiestrategien nutzbar zu machen.