LBV kritisiert Abschüsse von Saatkrähen und Nestentnahme in Dachau
Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern kritisiert scharf die Maßnahmen gegen Saatkrähen in Dachau, bei denen rund 20 Vögel erschossen und 80 Nester entfernt wurden. Die Organisation warnt vor diesen Methoden als illegal und ineffektiv.

Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern e. V. hat die kürzlich in Dachau durchgeführten Maßnahmen zur Vergrämung von Saatkrähen aufs schärfste verurteilt. Die Organisation zeigte sich entsetzt darüber, dass rund 20 Saatkrähen erschossen und 80 Nester mit Gelegen während der sensiblen Brutzeit entfernt wurden. Dies sei ein Tabubruch und verstoße gegen geltende Naturschutzgesetze.
Die Höhere Naturschutzbehörde Oberbayern habe laut LBV eine rote Linie überschritten. Der Verband betont, dass die Saatkrähe nach EU-Vogelschutzrichtlinie und Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist. Die von der Behörde angeführte wissenschaftliche Zielsetzung überzeugt den LBV nicht; stattdessen handele es sich um „reinen Aktionismus“, der tierschutzrechtlich bedenklich und langfristig wirkungslos sei.
Der LBV zeigt Verständnis für die Sorgen der Anwohner und Landwirte bezüglich Lärm, Kot und Ernteschäden. Abschüsse und Nestentnahmen seien jedoch nur „Scheinlösungen“, die das Problem nicht lösen, sondern sogar verschärfen könnten. Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass solche Eingriffe zur Entstehung von „Splitterkolonien“ führen können, was eine Ausweitung statt eine Verringerung der Population zur Folge hat.
Der Naturschutzverband fordert, die Ursachen für die zunehmende Ansiedlung von Saatkrähen in Städten zu bekämpfen, statt die Symptome zu behandeln. Strukturelle Veränderungen in der Agrarlandschaft und ein ganzjährig verfügbares Nahrungsangebot führten dazu, dass die Vögel urbane Räume aufsuchten. Der LBV plädiert stattdessen für nicht-tödliche Maßnahmen und differenzierte Lösungsansätze, die sowohl dem Tier- als auch dem Artenschutz gerecht werden und die berechtigten Interessen der betroffenen Menschen berücksichtigen.