Bot-Verkehr übersteigt menschlichen auf dem Web
Maschinell generierter Web-Traffic hat menschlichen überholt, wobei Bots laut Cloudflare nun 57,5% der Webseitenanfragen ausmachen. Dieser Wandel stellt das langjährige werbefinanzierte Geschäftsmodell des Internets in Frage.

Bots sind nun offiziell die Mehrheit des Internetverkehrs und haben menschliche Nutzer erstmals übertroffen. Cloudflare, ein führender Anbieter von Netzwerkinfrastruktur, meldete, dass Bots nun 57,5% aller Webseitenanfragen generieren. Dieser Meilenstein wurde über ein Jahr früher erreicht, als vom eigenen CEO des Unternehmens vorhergesagt.
Obwohl die genauen Zeitangaben in verschiedenen Branchenberichten variieren, herrscht Einigkeit darüber, dass Maschinen die dominierende Kraft im Internet darstellen. Diese grundlegende Veränderung untergräbt das primäre Geschäftsmodell des Internets, das seit 30 Jahren auf der Annahme beruhte, dass Besucher Menschen sind. Das werbefinanzierte Modell, das in den 1990er Jahren etabliert wurde, bot "kostenlose" Inhalte im Austausch für Nutzeraufmerksamkeit und Daten.
Diese Ära des Überwachungskapitalismus wird nun nicht nur durch Scraping, sondern auch durch KI-Agenten gestört, die aktiv Aufgaben ausführen. Der Benchmark-Bericht von Human Security zeigte einen Anstieg von 7.851% im Jahresvergleich bei Traffic von KI-Agenten, die Links anklicken, Formulare ausfüllen und Aktionen ausführen. Die Fintech-Plattform Stripe stellt fest, dass etwa 70% der Befehle, die ihre Daten-APIs erreichen, nun von Agenten statt von Menschen stammen.
Unternehmen wie Visa und Stripe reagieren darauf, indem sie agentenorientierte Schnittstellen entwickeln. Werbetreibende müssen sich nun mit einer drastisch veränderten Landschaft auseinandersetzen, in der die Prämisse der Aufmerksamkeitsökonomie – dass Menschen durch Werbung beeinflusst werden können – versagt. Experten vergleichen diesen Moment mit einem Wendepunkt in technologischen Revolutionen, bei dem etablierte Geschäftsmodelle zusammenbrechen und neue entstehen müssen.
Die Zukunft könnte darin bestehen, dass Inhalte direkt an maschinelle Agenten lizenziert werden, weg von ihrer Rolle als Lockmittel für Augen. Obwohl das Ausmaß dieser "Maschinenökonomie" im Vergleich zu ihrem Potenzial noch gering ist, werden die Regeln für die nächste Phase des Internets aktiv geschrieben.