Gehirn steuert Verhalten durch Emotionen und Motivation
Anna Schroeder, neu an die LMU München berufene Professorin, erforscht, wie das Gehirn Emotionen und Bedürfnisse in Handlungen übersetzt und Verhalten an die Umwelt anpasst.

Anna Schroeder, neu an die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München) berufene Professorin für Systemische Neurowissenschaften, erforscht, wie das Gehirn Emotionen, Bedürfnisse und Motivationen in Handlungen umwandelt. Ihre Forschung konzentriert sich darauf, wie das Gehirn Verhalten an wechselnde Umweltbedingungen anpasst.
Laut Schroeder ist Verhalten das Ergebnis komplexer neuronaler Prozesse. Das Gehirn verknüpft innere Zustände wie Angst oder Hunger mit äußeren Reizen und trifft fortlaufend Entscheidungen. Ihr Ziel ist es zu verstehen, wie das Gehirn flexibles und situationsangepasstes Verhalten hervorbringt.
Die Forschung legt einen besonderen Fokus auf Verhaltensweisen, die durch Emotionen und Motivation gesteuert werden, wie etwa Abwehrreaktionen, Nahrungsaufnahme und soziale Interaktionen. Diese Verhaltensweisen basieren auf inneren Zuständen, die das Gehirn selbst erzeugt und die Wahrnehmungen und Reaktionen beeinflussen.
Schroeder untersucht zudem einen bisher wenig erforschten Hirnbereich, die sogenannte „zona incerta“ oder „Zone der Unsicherheit“. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass diese Region eine Schlüsselrolle bei der Auswahl und Koordination von Verhalten spielen könnte, indem sie innere Zustände mit externen sensorischen Informationen verknüpft.
Die Forschungsgruppe nutzt vielfältige Methoden wie Optogenetik und Kalzium-Imaging zur Analyse neuronaler Netzwerke auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene. Die Untersuchungen werden vorwiegend an Mäusen durchgeführt, die ein breites Spektrum an Verhaltensweisen zeigen. Schroeder betont das Potenzial ihrer Forschung für die Entwicklung neuer Behandlungsansätze bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, wie Angst- und Depressionsstörungen sowie neurodegenerativen Krankheiten.