Gehirnfähigkeiten wichtiger als IQ, so ein neues Buch
Ein neues Buch legt nahe, dass Erfolg im Leben mehr auf mentaler Steuerung als auf dem IQ beruht. Exekutive Funktionen bestimmen, wie Fähigkeiten in Entscheidungen und Handlungen umgesetzt werden.

Der Erfolg im Leben hängt weniger von der reinen Intelligenz ab, sondern vielmehr davon, wie gut Individuen ihren Geist steuern können, so Adrian Owen, Professor für kognitive Neurowissenschaften und Bildgebung. Sein neues Buch, "Think Before You Think: Understanding and Mastering Executive Function", stellt die These auf, dass die sogenannten exekutiven Funktionen der Schlüssel zur Umwandlung von Fähigkeit in effektive Entscheidungen und sinnvolle Handlungen sind.
Owen definiert exekutive Funktionen als das Managementsystem des Gehirns, das Fähigkeiten wie Aufmerksamkeitsfokussierung, das Behalten von Informationen im Gedächtnis, vorausschauende Planung, Widerstand gegen Ablenkungen und Emotionsregulation umfasst. Diese Funktionen bestimmen laut Owen nicht, wie intelligent eine Person ist, sondern wie effektiv sie ihre vorhandene Intelligenz nutzt. Sie prägen nahezu jeden Aspekt des Lebens, von akademischer und beruflicher Leistung bis hin zu Beziehungen und finanzieller Urteilsfähigkeit.
Owen bemerkt, dass trotz ihres erheblichen Einflusses die exekutiven Funktionen in der Öffentlichkeit weitgehend missverstanden bleiben. Er stellt das breite Bewusstsein für IQ dem allgemeinen Mangel an Wissen über diese kritischen mentalen Fähigkeiten gegenüber. Der Teil des Gehirns, der die Lebensausgänge am stärksten beeinflusst, sei nicht unbedingt derjenige, der am besten Rätsel löst, sondern derjenige, der die Aufmerksamkeit lenkt, Aufgaben priorisiert und die Impulskontrolle steuert.
Owen zitiert umfangreiche Forschungen, darunter eine Studie mit über 44.000 Personen, die zeigte, dass ein hoher IQ keine guten Entscheidungen garantiert. Er beobachtete, dass Personen mit hoher Intelligenz immer noch mit Prokrastination, impulsiven Entscheidungen und sich wiederholenden Fehlern zu kämpfen haben können, während andere mit scheinbar durchschnittlicher Intelligenz konsequent kluge Entscheidungen treffen. Dieser Unterschied sei, so argumentiert er, oft auf die Stärke ihrer exekutiven Funktionen zurückzuführen.
Der Professor plädiert für eine Veränderung der Perspektive und schlägt vor, dass anstelle der Frage "Wer ist der Intelligenteste?" eine relevantere Frage lautet: "Wer trifft die besten Entscheidungen?". Er fordert eine stärkere Betonung des Verständnisses und der Kultivierung dieser oft übersehenen Gehirnfähigkeiten für verbesserte Lebensergebnisse.