Burnout durch Selbstaufgabe, nicht Arbeitslast, laut Expertin
Burnout bei Leistungsträgern entsteht oft durch ein langjähriges Muster, persönliche Bedürfnisse und Grenzen zu vernachlässigen, um andere zufriedenzustellen, nicht allein durch übermäßige Arbeitszeiten.

Burnout, ein weit verbreitetes Phänomen, wird häufig missverstanden, wobei seine Ursachen oft falsch zugeordnet werden. Statt einer reinen Konsequenz übermäßiger Arbeitslast, resultiert Burnout bei Leistungsträgern oft aus einem langjährigen Muster, bei dem persönliche Bedürfnisse, Werte und Grenzen zugunsten der Bequemlichkeit anderer vernachlässigt werden.
In professionellen Kreisen herrscht die Vorstellung, dass Burnout eine Folge von überwältigender Arbeitsbelastung ist. Übliche Lösungsvorschläge umfassen Ruhe, Delegation oder Urlaub. Diese Methoden greifen jedoch zu kurz, da sie das tiefere Problem nicht angehen: eine identitätsbezogene Selbstaufgabe, die bedeutsamer ist als die Arbeit selbst.
Eine Expertin, die als Coach für Leistungsträger tätig ist, stellt fest, dass Angestellte nicht allein wegen langer Arbeitszeiten ausbrennen. Viele sind bereit, extensiv zu arbeiten, wenn die Arbeit persönlich bedeutsam erscheint. Burnout tritt ein, wenn eine Person über Jahre hinweg versucht hat, sich dem Komfort anderer anzupassen, und dabei die eigene Klarheit und Grenzen geopfert hat.
Diese Selbstaufgabe manifestiert sich oft nicht als Schwäche, sondern als Kompetenz und Pflichtgefühl. Sie kann darin bestehen, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, schwierige Botschaften abzuschwächen oder Entscheidungen zu treffen, die auf der Minimierung von Enttäuschungen basieren, anstatt auf dem, was richtig ist. Diese ständige Aushöhlung des Vertrauens in die eigene Urteilsfähigkeit führt letztlich zu Burnout.
Die Expertin identifiziert drei Signale, die vor Burnout auftreten: Entscheidungsermüdung, die nicht auf Information, sondern auf der Vorhersage von Reaktionen beruht; unerklärlicher Groll, der auf Selbstvernachlässigung hindeutet; und Erfolge, die keine Befriedigung bringen, weil sie nie wirklich persönliche Ziele waren.