Krebsversorgung: Fortschritte durch neue Therapien
Präzisionsonkologie, Immuntherapien und Zell-/Gentherapien beschleunigen die Behandlung von Krebs. Experten diskutierten, wie diese Fortschritte künftig mehr Patienten zugutekommen können.

Die Krebsforschung hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Fortschritte in der Präzisionsonkologie, Immun-, Zell- und Gentherapien sowie molekulare Diagnostik und digitale Vernetzung haben den Fortschritt extrem beschleunigt. Auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit diskutierten Experten, wie die "New Level-Oncology", die nächste Entwicklungsstufe der Krebsbekämpfung, zukünftig noch mehr Menschen zugutekommen kann.
In Deutschland gibt es jährlich rund 600.000 Neuerkrankungen und etwa 250.000 Krebstote. Obwohl Krebs die zweithäufigste Todesursache ist, beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate über alle Krebsarten hinweg 67 Prozent. Bis 2040 wird ein Anstieg der Krebsfälle um 20 Prozent erwartet. Die onkologische Arzneimittelforschung boomt: 66 Prozent der seit dem Jahr 2000 in den USA neu zugelassenen Medikamente sind Krebsmittel.
Die neue Generation von Krebsmedikamenten ist präziser, wirkungsvoller und nebenwirkungsärmer. Professorin Dr. Lena Illert vom Universitätsklinikum Göttingen betonte, dass die "New Level-Oncology", insbesondere Immun- und zielgerichtete Therapien, das Behandlungsfeld verändert. Chemotherapien machen nur noch etwa zehn Prozent der neuen onkologischen Zulassungen aus.
Immuntherapien zielen darauf ab, das körpereigene Immunsystem zur Krebsbekämpfung zu aktivieren. T-Zellen sind dabei entscheidend und werden durch verschiedene Antikörper unterstützt, von denen über 70 für Tumorpatienten verfügbar sind. PD-1-Inhibitoren beispielsweise helfen dem Immunsystem, Krebszellen zu erkennen, indem sie deren Tarnung aufheben. Illert wies auf einen Anstieg dieser Antikörper von einem im Jahr 2011 auf 15 im Jahr 2025 hin, die für mehr als zwanzig Krebsarten zugelassen sind.
Die Optimierung der Behandlungen bleibt jedoch zentral. Studien deuten darauf hin, dass der Zeitpunkt der Immuncheckpoint-Blockade (vor oder nach 15 Uhr) den Behandlungserfolg beeinflussen kann, möglicherweise weil T-Zellen morgens "aktiver" sind. Auch mRNA-Impfstoffe haben gezeigt, dass sie die T-Zell-Funktion verbessern und damit die Ergebnisse von Antikörpertherapien optimieren können. Forscher heben den dramatisch steigenden globalen Bedarf an moderner Krebsmedizin hervor, parallel zu rasanten Fortschritten in der Diagnostik.