Chinas Wirtschaftswachstum enttäuscht im zweiten Quartal
Das BIP Chinas wuchs im zweiten Quartal nur um 0,8 %, was die Erwartungen verfehlte und das Jahreswachstumsziel gefährdet. Sinkende Exporte und schwächerer Konsum sind Hauptursachen für die Verlangsamung.

Das Wirtschaftswachstum Chinas hat im zweiten Quartal 2023 deutlich nachgelassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorquartal um lediglich 0,8 %, nach einem Zuwachs von 2,2 % im ersten Quartal. Diese Entwicklung lässt Zweifel aufkommen, ob das von der Regierung ausgegebene Jahreswachstumsziel von 5,0 % erreicht werden kann.
Mehrere Faktoren belasten die chinesische Konjunktur. Erstens leidet der Export spürbar unter der nachlassenden Nachfrage aus Europa und den USA. Im Juni sanken die Warenausfuhren um 12,4 % gegenüber dem Vorjahr, der schwächste Wert seit Beginn der Pandemie Anfang 2020.
Zweitens schwächelt der private Konsum. Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze hat sich zwischen April und Juni von fast 20 % auf rund 3 % verlangsamt. Die Zurückhaltung der Konsumenten wird durch die anhaltenden Probleme am Immobilienmarkt verstärkt. Anders als in den USA und Europa konnten chinesische Haushalte während der Pandemie keine vergleichbaren Sparüberhänge aufbauen.
Der Immobiliensektor bleibt die größte Sorge. Nach einer kurzen Erholung herrscht hier wieder Ernüchterung. Die Juni-Daten zu Baubeginnen (-30 % ggü. Vorjahr) und Hausverkäufen (-26 %) spiegeln die Problematik wider. Immobilienentwickler fahren ihre Risiken zurück, was die Sorge vor einer längeren Abwärtsspirale nährt.
Obwohl staatliche Stimulusmaßnahmen wie Zinssenkungen und Unterstützungen für Immobilienentwickler eingeleitet wurden, bleiben die Auswirkungen begrenzt. Experten sehen in der chinesischen Konjunkturschwäche einen Faktor für den globalen Desinflationstrend. Strukturelle Probleme wie die schrumpfende Bevölkerung, hohe Verschuldung sowie Handelskonflikte mit den USA und die globale Tendenz zur Diversifizierung von Lieferketten erschweren die Aussichten zusätzlich. Eine Kaufempfehlung für chinesische Aktien wird daher zurückhaltend gesehen.