Unternehmensvorstände setzen auf Erfahrung statt auf KI-Expertise
S&P 500-Unternehmen berufen vermehrt erfahrene Geschäftsführer in ihre Gremien, vernachlässigen dabei jedoch die für KI-Risiken notwendige Fachkenntnis.

Der Anteil aktueller oder ehemaliger Geschäftsführer bei Neuberufungen in die Aufsichtsgremien der S&P 500-Unternehmen erreichte 2026 mit 37 Prozent den höchsten Stand seit 2012. Diese Vorliebe für bewährte Führungskräfte zielt darauf ab, in unruhigen Zeiten Stabilität zu gewährleisten. Analysten warnen jedoch, dass dieser Fokus auf vergangene Erfolgsmuster den Blick für die disruptiven Herausforderungen durch künstliche Intelligenz verstellen könnte.
Während über 80 Prozent der führenden US-Unternehmen KI bereits als Geschäftsrisiko ausweisen, verfügen weniger als 3 Prozent ihrer Vorstandsmitglieder über entsprechende Fachkenntnisse. Dies führt zu einer Governance-Lücke, bei der Gremien sich gegen vergangene Bedrohungen rüsten, anstatt die grundlegende Transformation ihrer Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse durch moderne Technologien anzugehen.
Als Lösungsansatz wird empfohlen, gezielt Personen mit aktueller operativer Erfahrung in den technologischen Kernbereichen in die Gremien aufzunehmen. Zudem könnten beratende Ausschüsse oder sogenannte „Shadow Boards“, bestehend aus Mitarbeitern, die täglich mit KI arbeiten, die Informationslücke zwischen der operativen Basis und der Führungsebene schließen. Eine solche Struktur würde sicherstellen, dass die strategische Planung auf der Realität der Technologieanwendung basiert.
Zukünftige Governance-Entscheidungen müssen laut Experten über die bloße Alters- oder Erfahrungsfrage hinausgehen. Entscheidend ist, ob Vorstände unter heutigen Bedingungen mit den aktuellen technischen Werkzeugen vertraut sind und bereit sind, die langfristigen Konsequenzen von KI-Investitionen, die sich über Jahrzehnte erstrecken können, aktiv mitzugestalten.