DUH deckt politische Motivation bei Rückbau des Kantstraßen-Radwegs auf
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde vor, den Rückbau des Radwegs auf der Kantstraße politisch motiviert vorangetrieben zu haben. Interne Akten belegen Warnungen der Fachabteilung und eine mögliche Wahlkampftaktik.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat interne Akten der Berliner Senatsverwaltung veröffentlicht, die auf ein politisch motiviertes Vorgehen von Verkehrssenatorin Ute Bonde beim Rückbau des Radwegs auf der Kantstraße hindeuten. Laut DUH wurde das über zwei Millionen Euro teure Vorhaben gegen die Warnungen der zuständigen Fachabteilung durchgesetzt, wobei politische Erwägungen eine zentrale Rolle gespielt haben sollen.
Die Akten zeigen, dass die Fachabteilung im Juli 2024 die Beibehaltung des bestehenden Zustands empfahl. Als im Oktober 2024 ein Tausch von Radweg und Parkspur geprüft wurde, warnte die Abteilung vor erhöhten Gefahren für Radfahrende. Senatorin Bonde verkündete die Lösung jedoch nur vier Tage später öffentlich, mit Brandschutz als Hauptargument, dessen Relevanz zuvor in Frage gestellt worden war.
DUH zufolge gab es im Frühjahr 2025 eine Variante, die den Erhalt des geschützten Radwegs ermöglicht hätte. Dennoch wies die Senatorin im Mai 2025 offiziell an, die geplante Umgestaltung mit Parkstreifen und gemeinsamer Bus- und Radspur weiterzuverfolgen. Ein Planungsbüro stellte im Dezember 2025 fest, dass der Straßenquerschnitt nicht für die geforderten Maße einer Busspur ausreichte. Trotzdem wurde im Januar 2026 in internen Vermerken als „Politische Vorgabe“ die Umsetzung vor den Wahlen im September 2026 festgehalten.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, kritisierte das Vorgehen der Senatorin scharf und forderte eine umfassende Aufklärung im Verkehrsausschuss. Er bezeichnete die Entscheidung, die den Berliner Haushalt mit über zwei Millionen Euro belasten würde und gegen fachliche Warnungen getroffen wurde, als Skandal. "Hier wurden Parkplätze höher gewichtet als der Schutz von Menschen auf dem Fahrrad", so Resch.
Die DUH unterstützt die Eilanträge eines Radfahrers zum Erhalt des geschützten Radwegs auf der Kantstraße. Der Senat hat zugesagt, während der Bauphase eine provisorisch geschützte Radverkehrsfläche zu erhalten. Die DUH fordert den dauerhaften Erhalt des Radwegs und appelliert an die kommende Landesregierung, zu einer sachorientierten Verkehrspolitik zurückzukehren.