Ingenieurausbildung der Zukunft setzt auf Systemverständnis
Professor John Clarkson fordert eine Neuausrichtung des Ingenieurberufs, die technisches Fachwissen mit systemischer Führungskompetenz verbindet.

Während eines Gastvortrags an der Technischen Hochschule Chalmers betonte Professor John Clarkson von der Universität Cambridge die wachsende Bedeutung des Systemdenkens in der Ingenieurwissenschaft. In einer immer komplexeren Arbeitswelt reiche es nicht mehr aus, isolierte technische Probleme zu lösen; Ingenieure müssten lernen, die zugrunde liegenden Systeme als Ganzes zu verstehen.
Clarkson skizzierte die Entwicklung des Ingenieurprofils vom „T-förmigen“ Spezialisten hin zu einem „Tri-förmigen“ Typus. Dieser kombiniert technisches Fachwissen und digitale Fähigkeiten mit einer systemorientierten Führungskompetenz. Letztere soll Ingenieure dazu befähigen, komplexe Veränderungsprozesse über Organisationsgrenzen hinweg zu steuern, bei denen keine Einzelperson alle Lösungen kennt.
Seine Forschung, insbesondere in den Bereichen Gesundheitswesen und Fertigung, zeigt, dass systemische Fehler oft aus einem mangelnden Verständnis des Gesamtprozesses resultieren. „Ich möchte, dass Ingenieure nicht nur Anforderungen umsetzen, sondern auch entscheiden, ob diese Anforderungen die richtigen sind“, sagte Clarkson.
Die Industrie steht vor Herausforderungen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Um hier robuste und anpassungsfähige Systeme zu schaffen, sind Fachkräfte erforderlich, die in der Lage sind, Unsicherheiten auszuhalten und interdisziplinäre Lösungsansätze zu moderieren. Die Ausbildung müsse daher verstärkt den Fokus auf das systemübergreifende Design und eine kritische Prozessanalyse legen.