Umweltorganisationen fordern Stopp der Atomkraft-Laufzeitverlängerungen
Umweltgruppen protestieren gegen die Wintertagung des Deutschen Atomforums in Berlin. Sie kritisieren die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke als Risiko und Hindernis für erneuerbare Energien.

Berlin – Umwelt- und Anti-Atom-Initiativen haben zu Protesten gegen die Wintertagung des Deutschen Atomforums in Berlin aufgerufen, die Anfang Februar 2009 stattfand. Ziel der Demonstranten war es, die "Atompropaganda" symbolisch unter Quarantäne zu stellen, indem sie die Veranstaltung mit einer Menschenkette umzingelten.
Kritiker bezeichneten den Titel der Tagung, "Energieverantwortung für Deutschland", als irreführende Anmaßung der Konzerne. Sie argumentieren, dass die Laufzeitverlängerungen für alte Atomkraftwerke das Katastrophenrisiko erhöhen, das Endlagerproblem verschärfen und den Übergang zu erneuerbaren Energien verhindern. "Wer sich heute wieder für längere Laufzeiten alter Atomkraftwerke stark macht, verbarrikadiert zwangsläufig den Weg in ein modernes Energiesystem", erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake.
Baake betonte, dass das Risiko von Großkatastrophen den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken unverantwortlich mache. Er erinnerte daran, dass die Branche der Erneuerbaren Energien nach eigener Einschätzung schon 2020 fast jede zweite Kilowattstunde zum deutschen Strombedarf beitragen könne. Die schwankende Stromeinspeisung von Wind und Sonne erfordere eine flexible technische Infrastruktur, die Atomkraftwerke ebenso wenig leisten könnten wie Braunkohlemeiler.
Klaus Brunsmeier, stellvertretender BUND-Vorsitzender, erklärte, dass der Betrieb von Atomkraftwerken unverantwortlich bleibe und die Endlagerfrage ungeklärt sei. Er wies darauf hin, dass das Risiko schwerer Atomunfälle mit dem Alter der Reaktoren überproportional steige und die Betreiber mit Laufzeitverlängerungen bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr an Zusatzgewinn erzielen könnten, während die Risiken von der Gesellschaft getragen würden.
Die Organisatoren der Protestaktionen, darunter Campact, kritisierten die Politik und betonten die Notwendigkeit direkten Drucks aus der Bevölkerung. Sie forderten die Atomkraftgegner auf, an der Demonstration teilzunehmen, um den Organisatoren der Tagung eine klare Botschaft zu senden und die "Propagandalügen der Atomlobby" zu konterkarieren. Es gehe darum, ob die "Hasardeure der Atomenergie und das große Geld" erneut die Oberhand gewinnen.