Etnologin Gerhild Perl erforscht an LMU München Grenzen und Lebensumbrüche
Die neu berufene Ethnologin Gerhild Perl an der LMU München forscht zu gesellschaftlichen Umgangsweisen mit Grenzen, einschließlich Migration, Tod und dem Verschwinden von Personen.

Die Ethnologin Gerhild Perl, die kürzlich eine Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) antrat, erforscht den gesellschaftlichen Umgang mit Landes- und Lebensgrenzen. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Migration, Tod und das Verschwinden von Personen.
Perls Arbeit beleuchtet vielschichtige globale Herausforderungen. Eine Publikation im Journal of Ethnic and Migration Studies beschreibt eine Szene in einem afrikanischen Abschiebelager in Spanien. Sie schildert eindrücklich die Unsicherheit der Geflüchteten und den Schaden, der durch institutionelle Praktiken entsteht, einschließlich des dramatischen Zusammenbruchs einer Frau aus Kamerun, deren Mitreisende freigelassen wurden, sie selbst jedoch nicht.
Vorherige Forschungen von Perl beschäftigten sich mit Todesfällen während der Mittelmeerüberquerungen. Ihre Dissertation untersuchte die Geschichten von Personen, die bei Bootsfluchten ums Leben kamen, und betonte die Wichtigkeit, die Hintergründe und das Schicksal dieser Menschen zu verstehen. Diese Arbeit weckte auch ihr Interesse an Zwangspersönlichkeiten, wie sie in autoritären Regimen vorkommen.
An der LMU plant Perl, die Migration innerhalb Deutschlands zu untersuchen. Sie weist auf den Widerspruch zwischen einer restriktiven Grenzschließungspolitik und dem gleichzeitigen Bedarf an Arbeitskräften aufgrund demografischer Veränderungen hin. Perl stellt fest, dass viele Migranten Deutschland verlassen, und ihr neues Projekt wird untersuchen, welche Bedingungen sie zum Bleiben bewegen würden. Sie warnt davor, dass Deutschland andernfalls zu einem Auswanderungsland werden könnte. Ein weiteres Forschungsprojekt widmet sich der Anthropologie des Todes, insbesondere dem Erben und dessen Tabus.