EU-Kommission verfehlt Chance für evidenzbasierte Tabak- und Nikotinpolitik
Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) kritisiert den Evaluierungsbericht der EU-Kommission zu Tabak- und Nikotinprodukten scharf und bemängelt eine einseitige Bewertung sowie die Ignoranz gegenüber Verbraucherperspektiven.

Berlin – Am 2. April 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission ihren Evaluierungsbericht zum EU-Rechtsrahmen für Tabak- und Nikotinprodukte. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) sieht darin jedoch erhebliche Defizite und warnt vor einer wissenschaftlichen Schieflage bei der Beurteilung rauchfreier Nikotinprodukte.
BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke erklärte, die EU-Kommission habe die Chance verpasst, ihre Tabakpolitik "evidenzbasiert und realitätsnah weiterzuentwickeln". Stattdessen, so Mücke, ebne der Bericht "den Weg für weitere Verbote und eine fortgesetzte Verbraucherbevormundung". Eine Politik, die nur Risiken betone, verkenne das Potenzial rauchfreier Alternativen als Mittel zum Rauchstopp.
Der Bericht der Kommission bewerte neuartige rauchfreie Nikotinprodukte wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer pauschal als Gesundheitsrisiken. Dies ignoriere Erfahrungen aus Ländern wie Schweden, Tschechien oder Griechenland, die diese Alternativen erfolgreich zur Raucherentwöhnung einsetzen, bemängelt der BVTE.
Der Verband kritisiert zudem die mangelnde Berücksichtigung der Verbraucherperspektive. Obwohl über 15.000 Bürger an der Konsultation teilnahmen, seien deren Erfahrungen als "kommerzieller Interessen" diskreditiert worden. Mücke bemängelte auch die Neutralität des Verfahrens, da Anti-Nikotin-NGOs an der Evaluierung mitwirkten, die gleichzeitig für Verbote eintraten.
Der BVTE ist der Auffassung, dass der Bericht keine tragfähige Grundlage für eine ausgewogene Weiterentwicklung des EU-Rechtsrahmens liefere. Gefordert wird ein differenzierter Ansatz, der Risiken realistisch einordnet und Erfahrungen der Konsumenten ernst nimmt.