Bericht: EU stuft AWS und Azure bald als "Gatekeeper" nach DMA ein
Die EU-Kommission wird laut einem Bericht in Kürze Amazon Web Services und Microsoft Azure als "Gatekeeper" gemäß dem Gesetz über digitale Märkte (DMA) einstufen. Diese Klassifizierung unterwirft die Cloud-Dienste strengeren Regeln in der EU.

Die EU-Kommission wird voraussichtlich in der kommenden Woche vorläufige Ergebnisse ihrer Untersuchung von US-Cloud-Anbietern im Rahmen des Gesetzes über digitale Märkte (DMA) veröffentlichen. Laut informierten Quellen sollen Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure als "Gatekeeper" eingestuft werden. Diese Klassifizierung würde die Cloud-Dienste in der Europäischen Union strengeren Regulierungen unterwerfen und gilt als wichtige Änderung des Marktzugangs für diese Unternehmen.
Die Untersuchung begann im November 2025 und konzentrierte sich auf die Marktmacht von US-Technologiegiganten im Cloud-Sektor. Auslöser waren wiederholte Ausfälle von Cloud-Diensten, die signifikante Auswirkungen auf andere Internetdienste hatten. Besonders hervorzuheben sind ein umfangreicher AWS-Ausfall, der zahlreiche Dienste von Drittanbietern bis hin zur Signal-App betraf, sowie ein späterer Ausfall bei Azure, der Microsoft-Dienste beeinträchtigte.
Diese Vorfälle veranlassten europäische Wettbewerbsbehörden, Cloud-Dienste im Rahmen des DMA genauer zu prüfen. Große US-Cloud-Anbieter umgingen bisher weitgehend die Bestimmungen des DMA, da ein Großteil ihres Geschäfts über Unternehmenskontrakte abgewickelt wird. Dies erschwerte die Ermittlung der Nutzerzahlen, ein entscheidendes Kriterium für die Feststellung von Marktmacht. Der DMA, seit November 2022 in Kraft, zielt darauf ab, die Marktmacht von sogenannten "Gatekeepern" einzuschränken und fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
Bisher wurden Unternehmen wie Alphabet, Amazon, Apple, ByteDance, Meta Platforms und Microsoft als "Gatekeeper" identifiziert, dies jedoch für Dienste wie App-Stores und Messaging-Plattformen, nicht für Kerninfrastrukturen im Cloud-Bereich. Die anstehende Einstufung von AWS und Azure würde erstmals Cloud-Infrastrukturdienste unter diese strengen Vorschriften bringen.
Bloomberg berichtet unter Berufung auf anonyme Quellen, dass die endgültigen Ergebnisse der Untersuchung später in diesem Jahr erwartet werden, obwohl der Zeitplan vorläufig ist. Die EU-Kommission und Microsoft lehnten eine Stellungnahme ab, AWS reagierte nicht auf eine Anfrage. Als "Gatekeeper" müssten AWS und Azure Interoperabilität und Datenübertragbarkeit gewährleisten, was Kunden den Wechsel zwischen Anbietern erleichtern würde.