Europas Immobilienmarkt: Selektivität als Schlüsselstrategie
Europas Gewerbeimmobilienmarkt sieht sich mit strafferen Finanzierungsbedingungen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, wobei erstklassige Objekte Widerstandsfähigkeit zeigen. Ein Preisrückgang von 10–15 % wird für 2023–2024 erwartet.

Der europäische Gewerbeimmobiliensektor steht angesichts strafferer Finanzierungsbedingungen und eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds unter erheblichem Druck. Nach beträchtlichen Investitionen in der Ära niedriger Zinsen kämpft der Markt nun mit Faktoren wie schwacher Konjunktur, erhöhtem Ausfallrisiko bei Mietern und höheren Zinsen, die die Schuldendienst- und Refinanzierungskosten belasten.
Steigende Baukosten schrecken von neuen Entwicklungen ab und erhöhen die Ausgaben für Instandhaltung und Modernisierung bestehender Objekte. Die eingeschränkte Bautätigkeit während der Pandemie hat jedoch das Angebot begrenzt, was den Preisdruck dämpft und zu einer Divergenz zwischen erstklassigen und nachrangigen Vermögenswerten und Standorten führt.
Laut einem Bericht von Allianz Trade werden die Preise für Gewerbeimmobilien in den wichtigsten Euro-Wirtschaften zwischen 2023 und 2024 voraussichtlich um 10–15 % fallen, wobei es erhebliche Unterschiede zwischen Ländern, Segmenten und der Objektqualität gibt. Das Bürosegment, insbesondere an nicht erstklassigen Standorten, wird voraussichtlich Preiskorrekturen erfahren. Europa dürfte sich besser entwickeln als die USA, da dort Homeoffice weniger verbreitet ist.
Begrenzte Neubauaktivitäten und steigende Zinsen stützen die Mietniveaus. Neben dem widerstandsfähigen Bürosektor werden Logistik und Rechenzentren als Wachstumsbereiche identifiziert. Auch der Hotelimmobiliensektor wird aufgrund einer starken Erholung des Tourismus, insbesondere in Frankreich und Spanien, attraktiver. Das Einzelhandelssegment dürfte angesichts der anhaltenden Verlagerung von Konsumenten zu Online-Käufen fragil bleiben.