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Wissenschaft

Ökologische Qualität europäischer Flüsse: Besser, aber nicht gut genug

Eine neue Studie zeigt, dass sich die ökologische Qualität europäischer Flüsse seit den 1990er Jahren verbessert hat, der Trend jedoch um 2010 ins Stocken geriet. Im Durchschnitt wurde der geforderte „gute“ ökologische Zustand noch nicht erreicht.

23. Juli 2026
Ökologische Qualität europäischer Flüsse: Besser, aber nicht gut genug
Bild ist eine KI-generierte Illustration

Frankfurt am Main – Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Wissenschaftlern des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment hat erstmals umfassende Daten zur Entwicklung der ökologischen Qualität europäischer Flüsse veröffentlicht.

Die Studie, die Daten von 1.365 Standorten in 23 europäischen Ländern auswertete, belegt eine allgemeine Verbesserung der ökologischen Fließgewässerqualität seit den 1990er Jahren. Dieser positive Trend scheint sich jedoch seit etwa 2010 nicht fortgesetzt zu haben. Die Forscher warnen, dass im Durchschnitt der geforderte „gute“ ökologische Zustand gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie noch nicht erreicht wurde.

Die Wissenschaftler Dr. James Sinclair und Prof. Dr. Peter Haase untersuchten Daten von aquatischen Wirbellosen, um die zeitlichen Veränderungen der ökosystemaren Beschaffenheit zu analysieren. Laut der Studie befinden sich etwa 60 Prozent der europäischen Flüsse in keinem guten ökologischen Zustand; in Deutschland liegt dieser Anteil sogar bei rund 90 Prozent. Die beobachteten Verbesserungen werden als Ergebnis von Maßnahmen interpretiert, die seit den 1980er Jahren eingeführt wurden, wie etwa verbesserte Abwasserbehandlung.

Es wird vermutet, dass neue und bestehende Belastungen wie Verschmutzung, Lebensraumveränderungen, der Klimawandel sowie die Einführung neuer Chemikalien, darunter Pestizide und Pharmazeutika, die Stagnation des positiven Trends seit 2010 verursachen. Die Studie betont zudem die Schwierigkeiten bei der Messung der Biodiversität und hebt hervor, dass nur die Gesamt-Artenvielfalt ein relativ zuverlässiger Indikator für langfristige Veränderungen der ökologischen Wasserqualität ist.

Die in „Nature Ecology & Evolution“ veröffentlichte Untersuchung unterstreicht die Notwendigkeit langfristiger Datenerhebungen und sorgfältig ausgewählter Metriken zur zuverlässigen Bewertung ökologischer Trends in aquatischen Ökosystemen.

Originalquelle: senckenberg.de