Experten: Altersprüfung nicht die richtige Lösung für Indiens Kinderschutzprobleme
Experten und SFLC.in kritisieren Indiens geplante Altersüberprüfung für Kinder und argumentieren, dass sie Symptome statt Grundursachen behandelt.

Indiens geplante Kinderschutzbestimmungen, die Minderjährige online schützen sollen, stoßen bei Experten auf Kritik. Insbesondere die vorgeschlagene Altersüberprüfung, die von Nutzern die Nachweisung ihres Alters verlangen würde, steht unter Beobachtung.
Laut Expertenanalysen, die von Medianama veröffentlicht wurden, gilt die Altersüberprüfung als falsches Heilmittel. Während der Schaden, den Kinder online erleiden, nicht bestritten wird, argumentieren Kritiker, dass der vorgeschlagene Lösungsansatz die grundlegenden Probleme nicht angeht, sondern sich stattdessen auf Symptome konzentriert. SFLC.in (Software Freedom Law Center) hat darauf hingewiesen, dass dieser Ansatz die zugrunde liegende technologische Architektur von Online-Diensten unverändert lässt.
Abschnitt 9 des indischen Digital Personal Data Protection Act von 2023, der die Verarbeitung personenbezogener Daten von Kindern betrifft, tritt am 13. Mai 2027 in Kraft. Die Ausgestaltung der Altersüberprüfung ist nun die zentrale Frage, nicht ob eine solche eingeführt werden soll. Experten deuten darauf hin, dass der Überprüfungsprozess selbst neue Schäden einführen könnte, anstatt bestehende zu mindern.
Ein besonderes Anliegen ist, wie sich die Altersüberprüfung auf Indiens einzigartige digitale Umgebung auswirken könnte. In vielen indischen Haushalten dienen Kinder als primäre Schnittstelle für den Zugriff auf öffentliche digitale Dienste. In solchen Fällen könnte ein Altersfilter nicht nur den Zugang von Kindern zu Diensten einschränken, sondern auch die Möglichkeit ihrer Eltern oder Großeltern, diese zu nutzen, beispielsweise für Sozialleistungen oder Gesundheitsdienste.
Darüber hinaus weisen Kritiker darauf hin, dass sich die aktuellen Vorschläge übermäßig auf Datenschutz und illegale Inhalte konzentrieren und die tatsächlichen klinischen Schäden wie Sucht, übermäßige Bildschirmzeit und psychische Gesundheitsprobleme ignorieren. Stattdessen wird ein Modell vorgeschlagen, bei dem kinderfreundliche Algorithmen vor dem Einsatz genehmigt werden müssten, ähnlich wie bei der Zulassung von Arzneimitteln. Dies würde Plattformen erfordern, interne Standards zur Risikobewertung vor Produkteinführungen zu haben, nicht rückwirkend.