Ex-Googles-Managerin warnt vor Identifikation mit dem Arbeitgeber
Claire Stapletons neues Buch "Don’t Be Evil" untersucht die Gefahren, wenn Angestellte ihre Identität zu stark mit dem Unternehmen verschmelzen. Es basiert auf ihren Erfahrungen bei Google und der Organisation des "Walkout" 2018.

Claire Stapleton, ehemalige Senior Communications Managerin bei YouTube, hat ein neues Buch mit dem Titel "Don’t Be Evil: Bad Bosses, Fake Promises, and My Escape From Big Tech" veröffentlicht. Darin analysiert sie die Risiken, die entstehen, wenn sich Angestellte zu sehr mit ihrem Arbeitgeber identifizieren.
Stapleton war 12 Jahre bei Google tätig, beginnend im Jahr 2007. Sie war eine der Organisatorinnen des Google "Walkout" im Jahr 2018, einem Protest von 20.000 Mitarbeitern gegen den Umgang des Unternehmens mit Vorwürfen sexueller Belästigung. Kurz nach diesem Ereignis verließ sie das Unternehmen.
Das Buch präsentiert vier zentrale Erkenntnisse. Erstens argumentiert Stapleton, dass die Erzählung eines Unternehmens so stark werden kann, dass Angestellte die Diskrepanz zwischen dieser Erzählung und der Realität nicht mehr wahrnehmen. Dieses Phänomen sei nicht auf Google beschränkt, sondern trete in jeder Institution auf, die neben einer Anstellung auch ein Gefühl von Sinnhaftigkeit biete.
Zweitens hebt Stapleton die Unternehmenskultur als ein mächtigeres Kontrollinstrument als Hierarchien hervor. Sie erklärt, wie gemeinsame Werte und Rituale beeinflussen, was als normal und moralisch richtig empfunden wird, und so das Verhalten subtil lenken. Obwohl Zugehörigkeit wertvoll ist, kann sie schädlich werden, wenn sie das eigene Urteilsvermögen ersetzt.
Drittens thematisiert das Buch die Konsequenzen des Hinweises auf Missstände. Stapleton erklärt, dass Mitarbeiterproteste zwar systemische Veränderungen bewirken können, die Aufzeigenden jedoch oft persönliche Risiken eingehen. Sie deutet an, dass die Personen, die den Status quo in Frage stellen, nicht immer von den Institutionen, die sie verbessern wollen, gehalten werden.
Schließlich befasst sich Stapleton mit Technologie und vertritt die Ansicht, dass Produkte die Anreize widerspiegeln, die zu ihrer Entstehung geführt haben. Das Buch fordert die Leser auf, Technologie nicht nur nach ihren Vorzügen, sondern auch im Lichte der zugrunde liegenden Geschäftsinteressen und Kennzahlen kritisch zu hinterfragen.