12-Uhr-Regel bei Spritpreisen: Esso mit den meisten Verstößen
Eine Analyse der "mehr-tanken"-App von Auto Motor und Sport zeigt tausende Verstöße gegen die Regelung zur Mittagszeit. Esso-Tankstellen verzeichneten die meisten Beanstandungen.

Stuttgart – Die seit dem 1. April 2026 geltende Regelung, dass Spritpreiserhöhungen nur noch um 12 Uhr mittags stattfinden dürfen, wurde bundesweit tausendfach missachtet. Eine Auswertung der Daten aus der "mehr-tanken"-App von Auto Motor und Sport (Motor Presse Stuttgart) ergab, dass Tankstellen der Marke ESSO mit Abstand die meisten Verstöße aufwiesen.
Thomas Ranki-Harloff, Leiter der Digitalredaktion von Auto Motor und Sport, berichtete von insgesamt 2.772 festgestellten Verstößen bei ESSO im Zeitraum vom 1. April bis 11. Mai 2026. Zum Vergleich: Die zweitplatzierte Marke bft verzeichnete 1.479 Verstöße. Er betonte, dass bei der Auswertung ein Puffer von 11:30 Uhr bis 12:30 Uhr berücksichtigt wurde, um technische Ungenauigkeiten bei der exakten Uhrzeit auszuschließen.
Die Marke ESSO gehört zum US-Konzern ExxonMobil, ihr Deutschlandgeschäft wird jedoch größtenteils von der EG Deutschland GmbH abgewickelt. Ein Sprecher der EG Deutschland äußerte sich zurückhaltend auf Anfrage von Auto Motor und Sport und erklärte, dass grundsätzlich keine Auskunft zu Preisthemen gegeben werde.
Ranki-Harloff kritisierte, dass die Mineralölbranche trotz einer Markttransparenzstelle für Kraftstoffe wenig Interesse an Preistransparenz gegenüber den Kunden zeige. Er wies auch darauf hin, dass selbst die größte Tankstellenmarke Aral, mit nur 24 Verstößen, keine Einblicke in ihre Preisgestaltung gewährt.
Die Analyse beleuchtete zudem die geringen Vorteile für Kunden durch den "Tankrabatt". Laut Ranki-Harloff gab es am 30. April 2026, dem Tag vor der Einführung der Steuersenkung, deutliche Preiserhöhungen. Die anschließende "Senkung" am 1. Mai erfolgte daher von einem bereits erhöhten Niveau aus, was die Entlastung für die Verbraucher schmälern konnte.