Genomstudie klärt genetische Vielfalt der Braunbären
Eine neue Genomstudie hat die genetische Vielfalt von Braunbären über ihr gesamtes Verbreitungsgebiet hinweg kartiert. Die Forschung beleuchtet die Auswirkungen der letzten Eiszeit auf die heutigen Braunbär-Populationen und deren Differenzierung.

Wissenschaftler des Senckenberg Zentrums für Menschliche Evolution und Paläoökologie waren Teil eines internationalen Teams, das die genetische Vielfalt von Braunbären (Ursus arctos) und die historischen Faktoren, die diese prägten, untersuchte. Die in "Communications Biology" veröffentlichte Studie präsentiert die erste umfassende populationsgenomische Analyse der Art und klärt insbesondere die Auswirkungen der letzten Eiszeit auf ihre heutige Struktur und Differenzierung auf.
Braunbären sind in Nordamerika, Europa, Russland und Asien verbreitet. Während die globale Population auf etwa 200.000 Individuen geschätzt wird, sind die europäischen Bestände seit dem Mittelalter aufgrund von Lebensraumzerstörung und Jagd erheblich zurückgegangen. Die Studie analysierte die Genome von 128 Braunbären aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Art, um frühere Erkenntnisse über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Populationen zu überprüfen.
Genetische Analysen bestätigten teilweise die aktuelle Unterarteneinteilung von Braunbären, insbesondere für Populationen in Europa und Westrussland. So gehören beispielsweise alle Bären dieser Regionen, einschließlich derer im Uralgebirge und in Westsibirien, trotz großer geografischer Entfernungen genetisch zur selben Gruppe, dem Eurasischen Braunbären (Ursus arctos arctos).
Dagegen ergab die Studie eine unerwartete Erkenntnis bezüglich nordamerikanischer Bären. Der Braunbär der Alaska-Halbinsel (Ursus arctos gyas) erwies sich als genetisch enger mit dem Kodiakbären (Ursus arctos middendorffi) verwandt als mit dem bekannteren Grizzlybären (Ursus arctos horribilis). Dieses Ergebnis könnte zu einer Neubewertung der Unterarteneinteilung für den Braunbären der Alaska-Halbinsel führen oder dazu, dass die Festland- und Inselpopulationen als dieselbe Unterart betrachtet werden.
Die Forscher identifizierten auch einen gemeinsamen Vorfahren zwischen den Bären der Alaska-Halbinsel und dem Kamtschatkabären (Ursus arctos beringianus). Diese Verbindung wird auf Landbrücken wie Beringia während der Eiszeit zurückgeführt, die den genetischen Austausch ermöglichten. Die Studie zeigt, wie Paläogenomik die Auswirkungen historischer Ereignisse wie Eiszeiten auf rezente Arten aufdecken kann und als Blaupause für ähnliche Untersuchungen anderer Säugetiere dienen kann.