Genomstudie enthüllt genetische Vielfalt in alten brasilianischen Küstengesellschaften
Eine groß angelegte Genomstudie über alte brasilianische Sambaqui-Gemeinschaften hat signifikante genetische Unterschiede zwischen Küstenpopulationen aufgedeckt und bisherige Annahmen über Homogenität in Frage gestellt.

Forscher des Senckenberg Zentrums für Human Evolution und Paläoenvironment der Universität Tübingen und der Universität São Paulo haben Ergebnisse veröffentlicht, die das Verständnis des alten Brasiliens neu gestalten.
Ihre Studie, die den bisher größten Genomdatensatz aus Brasilien umfasst, analysierte 34 Individuen aus vier verschiedenen Regionen, die bis zu 10.000 Jahre zurückreichen. Die Sambaquis, große Muschelhügel, die zwischen etwa 8.000 und 1.000 Jahren v. Chr. von indigenen Küstengesellschaften erbaut wurden, sind über mehr als 3.000 Kilometer der südamerikanischen Atlantikküste verteilt. Während archäologische Funde auf geteilte kulturelle Praktiken unter den Sambaqui-Erbauern hindeuteten, zeigen die neuen Genomdaten, dass diese Gemeinschaften genetisch nicht einheitlich waren.
Die in "Nature Ecology & Evolution" veröffentlichte Forschung deutet darauf hin, dass unterschiedliche demografische Entwicklungen, möglicherweise beeinflusst durch Interaktionen mit Binnenpopulationen, die beobachteten genetischen Variationen erklären. Frühe holozäne Jäger-Sammler-Gruppen zeigten ebenfalls genetische Unterschiede untereinander und zu späteren Küstenbewohnern, was auf begrenzte direkte Abstammungsverbindungen hindeutet.
Die Studie stellte auch einen Zusammenhang zwischen verstärkten Kontakten zwischen Binnen- und Küstenpopulationen vor etwa 2.200 Jahren und einem Rückgang des Baus von Muschelhügeln fest. In dieser Zeit fanden auch bedeutende Umweltveränderungen statt, von denen die Forscher glauben, dass sie zum endgültigen Ende dieser einzigartigen architektonischen Praxis beigetragen haben könnten. Weitere regionale Studien sind geplant, um die Nuancen der tiefen genomischen Geschichte Südamerikas zu erforschen.