Mittelstand setzt KI pragmatisch um
Deutsche Mittelständler sind schneller und pragmatischer in der KI-Adaption als oft angenommen. Größte Hürde ist die Datenbasis, nicht das Mindset.

Die künstliche Intelligenz (KI) ist im deutschen Mittelstand auf dem Vormarsch und wird zunehmend pragmatisch umgesetzt. Dr. Marius Biederbach, Digital Transformation Manager und AI Lead der Stern-Wywiol Gruppe, betont, dass mittelständische Unternehmen oft agiler und umsetzungsorientierter sind als ihr Ruf vermuten lässt.
Mehrere Faktoren begünstigen die schnelle Adaption, darunter klare Verantwortlichkeiten und kurze Entscheidungswege, die schnelle Pilotprojekte ermöglichen. Die größte Herausforderung liegt laut Biederbach jedoch nicht im Mindset der Unternehmen, sondern in der Qualität und Verfügbarkeit von Daten. Hinzu kommen zweite und dritte Hürden: die Etablierung klarer Strukturen und Verantwortlichkeiten für KI-Projekte sowie die Gewährleistung von IT-Sicherheit und Datenschutz, insbesondere bei sensiblen Betriebs- und Rezepturdaten.
Die Stern-Wywiol Gruppe, ein global agierender Hersteller von Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffen, setzt KI bereits konkret ein. Beispiele sind selbstentwickelte, interne Chatbots zur Unterstützung von Mitarbeitern bei Prozessaufgaben sowie ein zentraler „Product Finder“. Dieses KI-gestützte Tool bündelt Produktdaten, Rezepturen und Entwicklungsinformationen und erleichtert Vertrieb, Produktmanagement und Forschung & Entwicklung die Arbeit, indem es Wissen besser zugänglich macht.
Bei der Messung des Return on Investment von KI-Projekten hebt Biederbach vor allem die Zeitersparnis hervor, die sich in Kosteneinsparungen und strategischem Nutzen übersetzen lässt. Ebenso wichtig seien Qualitätsverbesserungen, etwa durch die Sicherung von Know-how oder standardisierte Produktentscheidungen.
Biederbach rät Unternehmen, zunächst zu starten und parallel zu lernen und Strukturen zu entwickeln, anstatt auf eine vermeintlich perfekte Datenbasis oder Strategie zu warten. Technologie entwickle sich zu schnell für starre Langzeitpläne. Eine enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen sei entscheidend, um tatsächliche Wirkung zu erzielen.