Pharmastandort Deutschland: IGBCE und Unternehmen fordern besseren Transfer
Deutschlands Gesundheitswirtschaft steht unter internationalem Druck. Ein Positionspapier der IGBCE und acht Pharmakonzerne fordert sechs Maßnahmen, um Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Produkte zu überführen.

Die industrielle Gesundheitswirtschaft Deutschlands, mit einer Bruttowertschöpfung von über 100 Milliarden Euro, sieht sich internationalem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern, haben die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und acht führende Pharmaunternehmen ein gemeinsames Positionspapier mit sechs Handlungsempfehlungen vorgelegt. Dieses wurde auf der Veranstaltung „Gesunde Industriepolitik – Fortschrittsdialog“ in Berlin verabschiedet, wo Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über die Zukunft des Forschungs- und Produktionsstandorts diskutierten.
Das Kernanliegen des Papiers ist die Überwindung der sogenannten Translationslücke: Deutschland verfüge zwar über exzellente Grundlagenforschung, doch die Ergebnisse blieben zu selten im Labor stecken und würden nicht schnell genug in marktreife Gesundheitsinnovationen für die Patientenversorgung übersetzt. Die Unterzeichner, darunter Amgen, Bayer, Boehringer Ingelheim, Gilead, Novartis, GSK, Roche und Merck, betonen, dass Forschung, klinische Entwicklung und industrielle Umsetzung „Hand in Hand gehen“ müssten. Starke Kooperationen und Partnerschaften seien dafür entscheidend, wie Dr. Guillaume Wendt von Novartis Deutschland erklärte.
Hatice Camdere von Amgen unterstrich die Notwendigkeit klarer politischer Signale und stabiler Rahmenbedingungen. Ein starker Forschungsstandort benötige nicht nur wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch einen breiten und schnellen Marktzugang für innovative Medikamente. Eingeschränkter Zugang führe dazu, dass Investitionen in Frage gestellt würden. Eine engere Vernetzung von öffentlicher und privater Forschungsinstitutionen sei daher zur Beschleunigung des Wissenstransfers erforderlich.
Die sechs Handlungsempfehlungen zielen auf eine „zukunftsfeste und gesunde Industriepolitik“ ab. Dazu gehört eine konditionierte Forschungsförderung, die an soziale und ökologische Standards geknüpft ist. Ebenso wird eine Bündelung von Fördertöpfen und -quellen gefordert, flankiert durch privates Kapital, um eine lückenlose Finanzierungskette zu ermöglichen. Ein geplanter „Deutschlandfonds“ könnte als Instrument dienen, sollte jedoch um einen dedizierten Fonds für Biotech- und Life-Science-Unternehmen ergänzt werden, um den Wissenstransfer effektiv zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.