Griechische Studie stellt Annahmen der Abwasserrichtlinie in Frage
Pharma Deutschland fordert Aussetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung. Eine griechische Abwasserstudie legt nahe, dass Arzneimittel einen geringeren Anteil an der toxischen Belastung haben als von der EU angenommen.

Pharma Deutschland e.V. fordert die Europäische Kommission auf, die Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung (EHR) im Rahmen der Kommunalabwasserrichtlinie (UWWTD) sofort auszusetzen und neu zu bewerten. Anlass ist eine neue Studie zu Mikroschadstoffen in kommunalem Abwasser, die realweltliche Daten analysiert.
Die in der Fachzeitschrift „Environmental Science and Technology Letters“ veröffentlichte Untersuchung des Labors für Analytische Chemie der National and Kapodistrian University of Athens befasste sich mit zwei griechischen Kläranlagen, darunter Psyttalia, die größte Griechenlands. Die Ergebnisse zeigen, dass die tatsächliche toxikologische Belastung im gereinigten Abwasser anders zusammengesetzt ist, als es der Folgenabschätzung der Kommission zugrunde liegt.
Die Kommission stützt ihre Lastenzuweisung maßgeblich auf modellbasierte Annahmen, wonach Pharmazeutika und Kosmetika den Großteil der toxisch bedenklichen Bestandteile verursachen. Die griechische Untersuchung kommt auf Basis realer Messdaten zu einem grundlegend anderen Bild. Arzneimittel tragen laut der Studie nur einen einstelligen Prozentsatz zur gesamten toxischen Belastung bei.
„Weil sich die bisherigen Annahmen der Kommission als falsch herausgestellt haben, muss die Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung sofort gestoppt werden“, sagte Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender von Pharma Deutschland. Er appellierte an den Bundesumweltminister, die Umsetzung auszusetzen und die tatsächlichen Verursacher toxischer Mikroschadstoffe in Deutschland zu klären.
Die Studie identifizierte Reifenadditive und Pflanzenschutzmittel als die Haupttreiber des ökotoxikologischen Risikos, während Arzneimittel lediglich einen Anteil von etwa 7 % an der Gesamttoxizität ausmachten. Pharma Deutschland plädiert dafür, dass die neue Richtlinie auf messbaren Fakten basieren sollte und fordert vergleichbare Real-World-Messungen auch in Deutschland, um eine fundierte politische Debatte zu ermöglichen.