Harvard-Professor analysiert ökonomische Grundlagen globaler Lieferketten
Willy Shih, Professor an der Harvard Business School, erörtert in seinem neuen Buch die wirtschaftlichen Faktoren, die globale Lieferketten bestimmen, und die Marktreaktionen auf politische Handelsmaßnahmen.

In einem Interview mit The Verge analysiert Willy Shih, Professor für Managementpraxis an der Harvard Business School, die ökonomischen Hintergründe globaler Handelsstrukturen. Sein neues Buch "Where Does My Stuff Come From?" hinterfragt, warum Lieferketten trotz politischer Bemühungen um eine Deglobalisierung weiterhin komplex und international vernetzt bleiben.
Shih stellt fest, dass Zölle und Handelsbarrieren selten zu einer Rückverlagerung der Produktion in westliche Länder führen. Stattdessen verlagern Hersteller ihre Kapazitäten in alternative Standorte mit niedrigeren Kosten. Die ökonomische Logik, Rohstoffe weltweit dorthin zu transportieren, wo die Verarbeitung am effizientesten ist, bleibt laut Shih das primäre Steuerungselement der globalen Wirtschaft.
Zudem weist der Experte auf die unterschätzten logistischen Anforderungen beim Ausbau von Infrastrukturen, wie sie etwa für die KI-Entwicklung notwendig sind, hin. Das Ignorieren dieser grundlegenden wirtschaftlichen Voraussetzungen führe häufig zu gescheiterten industriellen Großprojekten. Shih mahnt zu einer realistischeren Einschätzung der Marktkräfte durch politische Entscheidungsträger.