Klinik-IT: Warum präventive Abwehr allein nicht mehr ausreicht
Cyberangriffe auf Krankenhäuser nehmen zu. Experten fordern ein Umdenken hin zu aktiver Angriffserkennung, um gesetzliche NIS2-Vorgaben zu erfüllen und die Patientenversorgung zu sichern.

Krankenhäuser sind aufgrund ihrer zunehmenden Vernetzung und komplexen IT-Landschaften zu hochattraktiven Zielen für Cyberkriminelle geworden. Lutz Wiechmann, Senior Sales Engineer bei Enginsight, weist darauf hin, dass die Kombination aus moderner Software und veralteten Medizingeräten Sicherheitslücken schafft, die Angreifer systematisch nutzen.
Oft beginnt ein Angriff über kompromittierte Zugangswege, wie etwa Fernwartungsverbindungen. Sobald sich Angreifer im Netzwerk befinden, bewegen sie sich oft über Tage unentdeckt, um administrative Rechte in zentralen Systemen wie dem Active Directory zu erlangen. Die Verschlüsselung der Daten markiert dabei lediglich den finalen Abschluss einer Attacke, die bereits weit vorher hätte erkannt werden können.
Der reine Schutz an den Netzwerkgrenzen durch Firewalls reicht laut Wiechmann nicht mehr aus. Nötig sei eine kontinuierliche Überwachung des internen Netzwerkes mittels Log-Analysen. Diese können Auffälligkeiten, wie unübliche Anmeldemuster oder plötzliche Rechteausweitungen, frühzeitig identifizieren.
Angesichts strengerer gesetzlicher Anforderungen wie der NIS2-Richtlinie müssen Krankenhausleitungen Cybersicherheit als essenziellen Bestandteil der Patientenversorgung verstehen. Ein Ausfall kritischer Systeme führt zwangsläufig zu Verzögerungen in der Behandlung, was die Sicherheit der Patienten direkt gefährdet.