Humanistische Studiengänge gewinnen an Popularität an der Harvard University
Entgegen dem Trend zu technischen Fachrichtungen ist ein anspruchsvoller Kurs zur klassischen Literatur der gefragteste bei Studienanfängern in Harvard.

An der Harvard University ist ein überraschendes Interesse an traditioneller Geisteswissenschaft zu beobachten. Der Einführungskurs „Hum 10“, der sich mit der westlichen Literaturgeschichte befasst, ist in diesem Semester zum meistbesuchten und begehrtesten Kurs unter Studienanfängern aufgestiegen. Trotz eines extrem hohen Arbeitsaufwands stiegen die Anmeldezahlen um 40 Prozent an.
Der Kurs zeichnet sich durch seine Strenge aus: Wöchentlich muss ein umfangreiches Werk gelesen werden, gefolgt von regelmäßigen schriftlichen Arbeiten. Digitale Hilfsmittel sind untersagt, und die Anwesenheit bei den Vorlesungen ist obligatorisch. Von den 180 Bewerbern konnten in diesem Jahr nur 90 zugelassen werden.
Die wachsende Beliebtheit des Fachs wird als Reaktion auf die zunehmende Digitalisierung und die damit verbundene Verkürzung der Aufmerksamkeitsspannen gedeutet. Studierende suchen vermehrt nach intellektueller Vertiefung und einer bewussten Abkehr von kurzlebigen akademischen Inhalten. Der Erfolg des Kurses unterstreicht ein wiedererwachtes Bedürfnis nach fundierter, klassischer Bildung im universitären Umfeld.