Indische Wertpapieraufsicht nutzt KI zur Überwachung sozialer Medien auf Anlagebetrug
Indiens Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (SEBI) setzt ein KI-System ein, das öffentliche Social-Media-Inhalte auf betrügerische Anlageansprüche, nicht registrierte Beratung und Identitätsdiebstahl überprüft.

Die indische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (SEBI) setzt ein künstliche Intelligenz-System ein, um öffentliche Social-Media-Inhalte auf betrügerische Anlageansprüche, nicht registrierte Finanzberatung und die Vortäuschung der Identität regulierter Einheiten zu überprüfen. SEBI gab dies in seinem Jahresbericht 2025-26 bekannt und teilte mit, dass sein KI-System, Projekt SUDARSAN, im November 2025 in Betrieb genommen wurde und bereits über 20.000 Fälle potenziell illegaler Inhalte identifiziert hat.
Project SUDARSAN, kurz für Surveillance of Unauthorized Digital Activity via Real-time Scanner for Anti-fraud, analysiert mittels multimodaler KI Sprache, visuelle Elemente, regionale Sprachen und den Kontext öffentlich verfügbarer Inhalte auf großen Social-Media-Plattformen. Das System vergibt Risikobewertungen, indem es diese Analyse mit Verhaltens- und Regulierungsparametern kombiniert, und kennzeichnet potenzielle Verstöße zur weiteren Prüfung. Es wurde entwickelt, um Versprechungen garantierter Renditen, gefälschter Zertifikate und Fälle zu erkennen, in denen Anlageberatung ohne ordnungsgemäße Registrierung erfolgt.
Diese Initiative erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Bedenken hinsichtlich des Einflusses von "Finfluencern" in sozialen Medien auf Anlageentscheidungen. Die SEBI-Investorenumfrage 2025 ergab, dass 62 % der Anleger von Finfluencern beeinflusst werden, die weitgehend als glaubwürdig angesehen werden. YouTube, Instagram und Facebook wurden als die am häufigsten genutzten Plattformen für die Informationssuche im Wertpapierbereich identifiziert.
Parallel dazu hat SEBI ein weiteres KI-Tool, R(AI)DAR, eingeführt, um Werbeanzeigen und Materialien zur Anlegerbildung von Vermögensverwaltungsgesellschaften zu überprüfen und potenzielle Verstöße wie fehlende Offenlegungen zu kennzeichnen. Diese technologischen Fortschritte stellen eine strategische Verlagerung für SEBI dar, weg von manueller, beschwerdebasierter Aufsicht hin zu proaktiver, technologiegestützter Überwachung, um schädliche Inhalte früher zu erkennen.
Der Jahresbericht enthält jedoch keine Details zur Risikobewertungsmethodik von SUDARSAN, den Schwellenwerten für die behördliche Prüfung, dem Umgang mit falsch-positiven Ergebnissen oder den Schutzmaßnahmen für die Datenerfassung und -speicherung. Obwohl SEBI angibt, dass das System nur öffentliche Inhalte im Zusammenhang mit Wertpapierbetrug scannt, werden die abgedeckten Plattformen oder die Datenaufbewahrungsfristen nicht spezifiziert. Das Fehlen von Transparenz bei diesen Aspekten sowie bei den Schutzmaßnahmen für die automatisierte Risikobewertung und den Rechtsmitteln für Nutzer wirft Fragen hinsichtlich der Aufsicht und der Grenzen automatisierter Überwachung auf und erinnert an frühere Kontroversen im Zusammenhang mit staatlichen Vorschlägen zur Online-Überwachung.