Journalistin findet 'Schamfrei'-Arbeitsregel schwierig
Eine Journalistin von Fast Company versuchte, Scham aus ihrer Arbeitswelt zu verbannen, stieß jedoch auf unerwartete Schwierigkeiten. Eine Psychologin rät, das Gefühl zu konfrontieren, anstatt es zu eliminieren.

Eine Journalistin von Fast Company unternahm ein Experiment, um Schamgefühle im Zusammenhang mit unproduktiven Arbeitstagen zu beseitigen, musste jedoch feststellen, dass das Unterfangen schwieriger war als erwartet. Der Artikel untersucht, warum Scham in bestimmten Lebensbereichen, wie dem Berufsleben, hartnäckig sein kann.
Das ursprüngliche Konzept zur Beseitigung von Scham entstand aus einem Interview mit einer Frau, die ihr Geschäft nach den Prinzipien des „cozy entrepreneurship“ strukturierte und es auf ihr Leben und nicht umgekehrt optimierte. Eines ihrer Kernprinzipien war die Beseitigung von Scham und die Befreiung von harter innerer Kritik.
Während der ersten Woche des Experiments stellte die Journalistin fest, dass Gefühle von Scham selten auftraten, wenn sie sich wohlfühlte – ausreichend Schlaf, körperlich aktiv und sozial engagiert. Schwierigkeiten traten jedoch auf, als das Leben unerwartete Hindernisse mit sich brachte, wie Schlafentzug, Krankheit oder Zeitplanänderungen. Zu diesen Zeiten verstärkten sich die kritischen inneren Stimmen, obwohl ihr logisches Verständnis Selbstmitgefühl erforderte.
Lydia Woodyatt, Professorin für Psychologie an der Flinders University, erklärt, dass der Versuch, Emotionen wie Scham aktiv zu eliminieren, ungesund ist, da Gefühle eine natürliche menschliche Reaktion sind. Stattdessen schlägt Woodyatt vor, Scham als ein Signal zu betrachten, das Individuen vor sozialer Abwertung oder Ausgrenzung warnt. In beruflichen Umfeldern, insbesondere in solchen mit hohen Leistungsanforderungen, kann dieses Gefühl aufgrund verinnerlichter Gruppennormen und Standards stärker hervortreten. Darüber hinaus kann eine starke Identifikation mit der Arbeit den Druck und die Angst vor dem Scheitern erhöhen.
Woodyatt rät davon ab, von einem „Alles-oder-Nichts“-Denken auszugehen, und empfiehlt, Situationen neu zu gestalten. Anstatt zu versuchen, Scham auszulöschen, rät sie dazu, sich darauf zu konzentrieren, wie die Situation behoben werden kann und wie man zukünftig im Einklang mit seinen Werten handeln kann. Die Journalistin verlagert nun ihren Ansatz auf einen Dialog mit der Scham und versucht, deren Botschaft zu verstehen, anstatt dagegen anzukämpfen.