LMU-Experte: Kriegsauswirkungen auf globale Ernährungssicherheit
Der Krieg in der Ukraine und die verhängten Sanktionen beeinträchtigen die globale Ernährungssicherheit. LMU-Geograf Florian Zabel erläutert die Auswirkungen des Konflikts auf internationale Lebensmittelmärkte und Preise.

Der Einmarsch in die Ukraine und die daraus resultierenden Sanktionen beeinträchtigen die globale Ernährungssicherheit erheblich, so Florian Zabel, Geograf an der LMU München.
Russland und die Ukraine sind wichtige globale Exporteure von Getreide und Sonnenblumenöl. Die durch den Konflikt verursachten Unsicherheiten haben zu starken Preisanstiegen bei Weizen geführt. Zabel führt diese Preiserhöhungen hauptsächlich auf die Auswirkungen des Krieges auf die Ernten und die für den Export von Agrarrohstoffen notwendige Infrastruktur zurück. Viele Länder erwarten Engpässe und verhängen Exportbeschränkungen, was die Preise weiter in die Höhe treibt.
"Die Ukraine ist von entscheidender Bedeutung und liefert fast 50 Prozent des weltweiten Sonnenblumenöls", sagte Zabel. "Beim Winterweizen ist die Ernte bereits gesät, aber seine weitere Entwicklung könnte durch Arbeitskräftemangel, Treibstoff oder Düngemittelknappheit behindert werden." Die Verfügbarkeit von Düngemitteln ist ein kritischer Faktor, da Russland und Belarus bedeutende Düngemittelexporteure sind. Steigende Energiekosten verschärfen die Situation, da die Düngemittelproduktion energieintensiv ist.
Die internationalen Lebensmittelmärkte reagieren stark auf gestiegene Energie- und Düngemittelpreise. Bereits bestehende Störungen der Lieferketten und eine erhöhte Nachfrage durch die Pandemie verschärfen die Lage. Besonders anfällig sind Länder in Nordafrika und Asien, die stark von Getreideimporten abhängig sind. Für diese Regionen, in denen Nahrungsmittel einen großen Teil der Haushaltsausgaben ausmachen, stellen selbst geringe Preissteigerungen erhebliche Probleme dar.
Zabel deutet an, dass Nahrungsmittelknappheit als politisches Mittel eingesetzt werden könnte, um den Migrationsdruck auf Europa zu erhöhen. Er hebt Ägypten hervor, den größten Weizenimporteur der Welt, als Beispiel für eine Nation, deren Lebensmittelversorgung stark von Importen abhängig ist.