LMU München: Insektenlarven in Ostseeb Bernstein in hoher Zahl gefunden
Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben ein unerwartet hohes Vorkommen von Mücken- und Fliegenlarven in Ostseeb Bernstein festgestellt. Die Funde liefern neue Erkenntnisse über die Insektenentwicklung und die Ökologie der Bernsteinwälder des Eozän.

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben nachgewiesen, dass die Häufigkeit von Mücken- und Fliegenlarven in Ostseeb Bernstein weitaus höher ist als bisher angenommen. Diese neuen Funde beleuchten die Evolution der Insekten und die Ökologie der Bernsteinwälder des Eozän (etwa 56 bis 33,9 Millionen Jahre vor heute).
Die Studie analysierte über 100 in Bernsteineinschlüsse konservierte Insektenlarven. Die Mehrheit der gefundenen Larven gehörte zur Unterordnung Bibionomorpha, deren Evolutionsgeschichte über 200 Millionen Jahre zurückreicht. Besonders häufig war die Gattung Mycetobia, deren Larven es den Forschern ermöglichten, ihren Wachstumsprozess zu rekonstruieren. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Larven vier Entwicklungsstadien durchliefen, ähnlich wie ihre heutigen Verwandten, und ihre Morphologie war ebenfalls sehr vergleichbar.
Die Larvenfunde deuten darauf hin, dass die Bernsteinwälder des Eozän feuchte Umgebungen mit reichlich zersetzendem organischem Material waren. Die Forscher identifizierten auch die erste fossile Larve, die der Gruppe Pachyneura zugeordnet werden konnte, deren heutige Vertreter mit Totholz assoziiert sind. Die LMU-Wissenschaftler Viktor Baranov, Mario Schädel und Joachim T. Haug veröffentlichten ihre Ergebnisse im Online-Journal PeerJ. Sie geben an, dass die Funde eine neue Interpretation der europäischen Bernsteinwälder als warm-gemäßigtes, saisonal feuchtes Waldökosystem unterstützen.
Einer der überraschendsten Funde war eine Larve, die eine bisher unbekannte Gruppe repräsentierte. Obwohl sie zur Ordnung der Diptera (Fliegen) gehörte, wies sie eine einzigartige Kombination morphologischer Merkmale auf, die bei modernen Vertretern der Gruppe keine Parallele finden. Die Forscher vermuten, dass dies eine experimentelle Phase ihrer Evolution dokumentieren könnte, in der verschiedene Linien unabhängig voneinander ähnliche Merkmalskombinationen entwickelten.