Flüssigerdgas (LNG) als Schiffskraftstoff: Status und Ausblick 2026
Die Nutzung von Flüssigerdgas (LNG) in der Schifffahrt ist etabliert und gewinnt 2026 durch EU-Vorschriften an regulatorischer Bedeutung. Während es bei Luftschadstoffen gut abschneidet, hängt die Klimawirkung von der Kontrolle der Methanschlupfe und dem Übergang zu Bio-LNG ab.

Bis 2026 ist Flüssigerdgas (LNG) kein experimenteller Kraftstoff mehr in der Schifffahrt. Weltweit sind etwa 800 LNG-fähige Schiffe in Betrieb, weitere 600 sind bestellt. Bunkerdienstleistungen sind in 222 Häfen verfügbar, unterstützt durch 62 dedizierte Bunkerschiffe.
Parallel dazu haben die EU-Verordnung FuelEU Maritime und das Emissionshandelssystem (ETS) die Kraftstoffwahl von einer rein operativen zu einer Compliance-Notwendigkeit gemacht. Für Reeder und Charterer bietet LNG einen realen kurzfristigen Compliance-Wert. Sein langfristiger Klimavorteil hängt jedoch von der effektiven Kontrolle des Methanschlupfs und dem Übergang zu Bio-LNG und synthetischem Methan ab.
Die Flotte von LNG-betriebenen Schiffen ist mittlerweile beträchtlich. LNG machte 2025 58 % der Bestellungen für Containerschiffe mit alternativen Kraftstoffen aus. Die Verfügbarkeit von Bunkerdienstleistungen wächst, wobei Schlüsselregionen wie Nordwesteuropa und die Ostsee, das westliche Mittelmeer sowie die Achse Singapur-China eine bedeutende Aktivität verzeichnen.
LNG schneidet bei lokalen und regionalen Luftschadstoffen sehr gut ab und eliminiert Schwefeloxide praktisch vollständig. Die Emissionen von Feinstaub und Ruß sind im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen deutlich reduziert. Die Reduktion von Stickoxiden (NOx) kann bis zu 85 % erreichen. Die Reduzierung von Ruß ist besonders vorteilhaft für Klimaschutzaspekte in sensiblen Regionen wie der Arktis.
Die CO2-Emissionen bei der Verbrennung von LNG sind geringer als bei Schwer- oder Leichtöl. Die Treibhausgasbilanz über den gesamten Lebenszyklus wird jedoch stark durch den Motortyp und den Methanschlupf beeinflusst. Diese Variabilität führt zu unterschiedlichen Einschätzungen der Klimawirkung von LNG. Der Konsens ist, dass LNG ein bewährter Kraftstoff für sauberere Luft ist, sein Klimavorteil jedoch von der Motoreffizienz, der Kontrolle von Methanemissionen und der Skalierung erneuerbarer Methanquellen abhängt.
Die EU-Rahmenwerke FuelEU Maritime und ETS beeinflussen die Schifffahrtsemissionen in europäischen Gewässern erheblich. FuelEU legt Standards für die Treibhausgasintensität fest, die schrittweise verschärft werden, während ETS CO2 ab 2024 und Methan/Distickstoffoxid ab 2026 abdeckt. LNG passt gut in beide Regularien, insbesondere wenn der Methanschlupf minimiert wird, und positioniert sich als gangbarer Compliance-Weg für die Branche.