Forscher: Freuds Gehirntheorien waren seiner Zeit voraus
Neurobiologe Mark Solms argumentiert in seinem neuen Buch, dass Sigmund Freuds Erkenntnisse über das Gehirn und geistige Prozesse viele moderne neurowissenschaftliche Entdeckungen vorwegnahmen und mit ihnen übereinstimmen.

Sigmund Freuds Theorien über Gehirn und Geist, die oft als veraltet abgetan werden, nahmen laut dem Neurobiologen Mark Solms viele zentrale Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaften vorweg. In seinem Buch "The Only Cure: Freud and the Neuroscience of Mental Healing" vertritt Solms, ein promovierter Neurowissenschaftler und Psychoanalytiker, die Ansicht, dass Freuds Arbeit die Grundlage für das heutige Verständnis geistiger Prozesse legte.
Solms hebt Freuds Hintergrund als Neurowissenschaftler hervor, der Ende des 19. Jahrhunderts umfangreiche Forschungen zum Nervensystem durchführte. Freuds Beiträge umfassten Arbeiten zu Neuronen und die Interpretation von Synapsen als Ort der Gedächtnisbildung. Sein Konzept, dass "zusammen feuernde Neuronen sich verbinden", datiert Hebbs Gesetz um Jahrzehnte vor.
Darüber hinaus sind Konzepte, die Freud einführte – wie unbewusste mentale Funktionen, multiple Gedächtnissysteme (bewusst, vorbewusst, unbewusst) und die langfristigen Auswirkungen von frühen Kindheitserfahrungen auf die Psychopathologie – heute in den Neurowissenschaften und der Psychologie weithin anerkannt. Solms verweist auch auf freudianische Grundlagen in modernen Ansätzen wie der prädiktiven Verarbeitung und der verkörperten Kognition.
Über die Theorie hinaus betont Solms die medizinische Wirksamkeit der Gesprächstherapie. Er stellt fest, dass psychiatrische Medikamente zwar eine durchschnittliche Effektstärke von 0,4 aufweisen, Gesprächstherapien jedoch eine durchschnittliche Effektstärke von 0,8 erzielen, was sie als hochwirksam einstuft und ihren Wert als medizinische Behandlung unterstreicht.