Neues Buch sieht KI-Boom als neue Kolonisation
Das neue Buch des Technologen Sudhir Tiku argumentiert, dass die Vorteile der KI-Entwicklung sich auf wenige konzentrieren, während Daten und günstige Arbeitskräfte aus dem globalen Süden extrahiert werden.

SINGAPUR – Ein neues Buch mit dem Titel "Artificial Intelligence in the Global South: Power, Policy and Progress" wurde am Dienstag in Singapur vorgestellt. Autor Sudhir Tiku, ein Technologe und KI-Ethiker, präsentiert eine kritische Perspektive auf die rasante Expansion der künstlichen Intelligenz.
Tiku vertritt die Ansicht, dass die KI-Entwicklung stark auf Daten und verborgener menschlicher Arbeitskraft beruht, die größtenteils aus Entwicklungsregionen wie Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Gleichzeitig werden diese Regionen von dem Wert, den sie schaffen, weitgehend abgekoppelt. Der Autor zieht eine Parallele zur historischen Kolonialisierung von Rohstoffen, ersetzt diese jedoch durch neue Formen: "Datengewinnung", günstige Rechenleistung und die "Geisterarbeit", die KI-Systeme trainiert und moderiert.
Das Buch beschränkt sich jedoch nicht nur auf Kritik. Tiku weist auf sich verschiebende Machtverhältnisse hin und argumentiert, dass der globale Süden die Urheberschaft seiner digitalen Zukunft beanspruchen kann. Er plädiert für die Schaffung gerechterer digitaler "Schutzgräben", um sicherzustellen, dass die nächste technologische Revolution nicht ausschließlich an anderen Orten programmiert wird.
Dr. Chi Wai (Rick) Lee, Geschäftsführer von World Scientific Publishing, betonte, dass der Erfolg von KI eine inklusive und verantwortungsvolle Entwicklung erfordere. Autor Tiku selbst erklärte, dass KI mit dem globalen Süden entwickelt werden sollte, nicht nur für ihn, um die digitale Souveränität und nachhaltige Entwicklung weltweit zu stärken.