Neue Fossilien stellen Verständnis der Weichtiergeschichte auf den Kopf
Zwei 430 Millionen Jahre alte Weichtierfossilien deuten darauf hin, dass frühe Mollusken komplexer und anpassungsfähiger waren als bisher angenommen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Senckenberg-Malakologin Prof. Dr. Julia Sigwart hat zwei neu entdeckte Weichtierfossilien untersucht, die bisherige Annahmen über frühe Mollusken in Frage stellen. Die 430 Millionen Jahre alten Funde, von den Forschenden aufgrund ihres charakteristischen Aussehens „Punk“ und „Emo“ genannt, zeigen, dass frühe Weichtiere komplexer und anpassungsfähiger waren als bisher angenommen.
Die Fossilien gehören zur Gruppe der Aculifera, einer Untergruppe der Weichtiere, und wurden in Herefordshire, England, entdeckt. Sie stammen aus dem Silurzeitalter. Die von Dr. Mark Sutton vom Imperial College London geleitete Studie legt nahe, dass diese frühen Mollusken überraschend komplexe Formen und Lebensräume aufwiesen, was auf eine größere Vielfalt hindeutet als bisher angenommen.
Die Forschenden setzten fortschrittliche bildgebende Verfahren wie Röntgenscans und digitale 3D-Modellierung zur Analyse der Fossilien ein. Diese Methoden ermöglichten eine detaillierte Untersuchung sowohl der äußeren als auch der inneren Strukturen und legten eine größere Bandbreite an Variationen in Aussehen und Fortbewegungsstrategien bei frühen Weichtieren offen als bisher bekannt.
„Wir gingen lange davon aus, dass diese frühen Aculiferen einfacher und ‚primitiver‘ waren. Gut erhaltene Fossilien, die Weichteile offenbaren, sind äußerst selten. Die daraus erstellten ‚virtuellen Fossilien‘ haben gezeigt, dass der evolutionäre Zweig, zu dem ‚Emo‘ und ‚Punk‘ gehören, weitaus vielfältiger war, als wir dachten“, erklärte Dr. Mark Sutton. Das „Emo“-Fossil bewegte sich offenbar raupenartig mithilfe seiner Stacheln fort, während das „Punk“-Fossil eine einzigartige, kammartige Fußstruktur besaß, die bei heutigen Mollusken nicht vorkommt.
Die Funde tragen zu einem besseren Verständnis des evolutionären Stammbaums der Weichtiere bei. Sie deuten darauf hin, dass das Fossilarchiv die Vielfalt heutiger Mollusken möglicherweise nicht vollständig widerspiegelt und unterstreichen die Bedeutung des Schutzes heutiger Arten als Teil einer langen und faszinierenden Evolutionsgeschichte.