Neue Eiszeit-Leopardenart mit hohem Body-Mass-Index aus Thüringen beschrieben
Paläontologen haben eine neue Unterart ausgestorbener Leoparden, Panthera pardus burgtonnae, basierend auf Fossilien aus Burgtonna, Thüringen, identifiziert. Die Art lebte vor etwa 125.000 Jahren und wies einen ungewöhnlich massigen Körperbau auf.

Wissenschaftler des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment haben eine neue Unterart ausgestorbener Leoparden beschrieben: Panthera pardus burgtonnae. Die Funde stammen aus den Travertinablagerungen von Burgtonna in Thüringen und werden auf die Eem-Warmzeit vor rund 125.000 Jahren datiert. Die Fossilien enthüllen eine bislang unbekannte Leopardenform mit einem auffallend massigen, fast jaguarähnlichen Körperbau.
Die Analyse von Kiefer- und Gliedmaßenknochen, durchgeführt von Paläontologe Helmut Hemmer und Senckenberg-Forscher Ralf-Dietrich Kahlke, zeigt deutliche Unterschiede zu anderen bekannten europäischen Leopardenformen. Insbesondere die Panthera pardus antiqua, die während der späteren Weichsel-Kaltzeit verbreitet war, unterscheidet sich genetisch und morphologisch.
Besondere Merkmale, wie die Form eines bestimmten Backenzahns, ermöglichen die eindeutige Identifizierung der neuen Unterart. Die Forscher führen zudem einen neuen Körpermassenindex ein, der die Körpermasse mit der Kopf-Rumpf-Länge in Beziehung setzt, ähnlich dem Body-Mass-Index (BMI) beim Menschen. Anhand eines Oberarmknochens wird für die Burgtonna-Leoparden ein Gewicht von etwa 35 bis 40 Kilogramm geschätzt, was auf ein sehr kräftiges, wahrscheinlich weibliches Tier hindeutet.
Die Entdeckung dieser robusten Eiszeit-Leoparden erweitert das Verständnis der Evolutionsgeschichte großer Raubkatzen in Europa. Sie wirft auch Fragen nach möglichem genetischem Austausch mit gleichzeitig lebenden Jaguarpopulationen auf und unterstreicht die Bedeutung der Fundstelle Burgtonna für die Erforschung der eiszeitlichen Fauna.