Kaleb Erdmann verarbeitet Erfurter Amoklauf in neuem Roman
Der Autor Kaleb Erdmann hat seinen neuen Roman "Die Ausweichschule" veröffentlicht, der sich mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium auseinandersetzt. Erdmann hat das Ereignis als Schüler miterlebt.

Der Autor Kaleb Erdmann hat seinen zweiten Roman "Die Ausweichschule" vorgelegt, der sich mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 befasst. Erdmann erlebte die Tat als Fünftklässler selbst mit. Das Buch widmet sich der Frage, wie aus einer Katastrophe Kunst entstehen kann, ohne sensationell zu wirken.
Der Amoklauf, bei dem 16 Menschen und der Täter ums Leben kamen, hat die Stadt Erfurt tief erschüttert. Erdmann erklärte, dass er trotz der fiktionalen Form seines Romans Wert auf eine sensible Darstellung legte und die Erinnerung an die Opfer und ihre Angehörigen zu wahren versuchte. "Mir war früh klar, dass ich nicht allein in dieser Geschichte bin", so der Autor.
Der Protagonist des Romans ringt jahrelang mit der literarischen Verarbeitung seiner Erlebnisse und versucht, eine oberflächliche, sensationslüsterne Darstellung zu vermeiden. Eine entscheidende Wendung erfährt er durch die Begegnung mit einem Dramatiker, der ein Theaterstück über den Amoklauf plant. Dies bringt ihn dazu, sich seinen eigenen Erinnerungen zu stellen.
Erdmann betonte, dass er die Taten des Täters nicht romantisieren oder seine Perspektive fiktionalisieren wollte. Ziel sei es, einen Anstoß zum Austausch über das Geschehene und dessen Folgen zu geben. Die Auseinandersetzung mit persönlichen Traumata durch Kunst wird als bedeutsamer Schritt gewürdigt und bietet eine neue Perspektive auf die Aufarbeitung der Tragödie.