Fettleibigkeit: Eine verkannte und unterschätzte Erkrankung
Auf dem Europäischen Gesundheitskongress wurde über die Verbesserung der Versorgung von Fettleibigkeit (Adipositas) diskutiert. Experten betonten, dass Adipositas eine chronische neurobiologische Erkrankung und kein reines Lifestyle-Problem ist.

Auf dem Europäischen Gesundheitskongress München (EGKM) wurde über die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Fettleibigkeit (Adipositas) diskutiert. Die Teilnehmer unterstrichen die Notwendigkeit, die allgemeine Wahrnehmung der Erkrankung zu ändern.
Adipositas sollte nicht als selbstverschuldetes oder lebensstilbedingtes Problem betrachtet werden, sondern als chronische, neurobiologische Erkrankung. Diese Sichtweise besagt, dass die Krankheit durch Gehirnmechanismen gesteuert wird, die Appetit und Sättigung regulieren und sowohl genetischen als auch evolutionären Faktoren unterliegen.
Laut Professorin Dr. Katharina Timper ist Adipositas eine Erkrankung, die im Gehirn stattfindet, und übermäßiges Essen ist eine Folge, nicht die Ursache. Diese Perspektive verdeutlicht, warum traditionelle Ratschläge wie Ernährungs- oder Bewegungsänderungen nicht immer wirksam sind.
Weltweit leiden etwa eine Milliarde Menschen an Adipositas, und in Deutschland ist die Prävalenz erheblich gestiegen. Adipositas erhöht das Risiko für zahlreiche schwere Erkrankungen, darunter Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Der Kongress stellte fest, dass die Behandlungsmöglichkeiten für Adipositas derzeit begrenzt sind, obwohl sie weltweit eine Milliarde Menschen betrifft. Deutschland hat jedoch die Voraussetzungen für Disease-Management-Programme (DMP) geschaffen, und die Verantwortung liegt nun bei den Krankenkassen.