Ölmühlenverband: Umstellung auf gentechnikfreies Tierfutter in Deutschland unrealistisch
Der OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland kommt zu dem Schluss, dass eine vollständige Umstellung auf gentechnikfreies Tierfutter in Deutschland unrealistisch und kostspielig ist, obwohl heimischer Raps und europäische Soja die Importabhängigkeit verringern könnten.

Der OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland hat eine Analyse vorgelegt, die besagt, dass eine vollständige Umstellung auf gentechnikfreies Tierfutter im deutschen Agrarsektor unrealistisch ist und erhebliche Kosten verursachen würde.
Laut OVID verfüttern deutsche Landwirte jährlich fast 10 Millionen Tonnen proteinreiches Futter, wovon rund 3,7 Millionen Tonnen im Inland produziert werden. Die verbleibenden 65 Prozent, das sogenannte "Eiweißlücke", werden hauptsächlich als genmanipulierte Soja importiert, vorwiegend aus Brasilien.
Petra Sprick, Geschäftsführerin von OVID, erklärte auf der EuroTier-Messe in Hannover, dass eine verstärkte Bereitstellung von gentechnikfreiem Futter langfristig möglich sei, jedoch ausreichende Anreize wie finanzielle Ausgleichszahlungen und eine Anerkennung in der Lieferkette erfordere. Sie betonte auch die Notwendigkeit, den Anbau von Raps und Soja in Europa zu verstärken sowie den Import von zertifizierter gentechnikfreier Soja zu erhöhen.
"Ein vollständiger Verzicht auf Genetik im deutschen Tierfutter würde den Wettbewerb um verfügbare Agrarrohstoffe drastisch verschärfen und zu erheblichen Mehrkosten führen", so Sprick. Die Analyse zeigt, dass selbst wenn die Europäische Union 9,3 Millionen Tonnen gentechnikfreie Sojabohnen auf dem Weltmarkt beschaffen könnte, dies nur ein Viertel des europäischen Jahresbedarfs an Sojaschrot von 33 Millionen Tonnen decken würde.
Die Verarbeitung von europäischer Soja aus dem Donauraum wurde bei ADM in Straubing verstärkt. Das Unternehmen verzeichnet eine steigende Nachfrage nach gentechnikfreier Soja in Deutschland, insbesondere auf den südlichen Märkten. Die wichtigste heimische Proteinpflanze in Deutschland bleibt jedoch Raps, der 80 Prozent zur Verringerung der Eiweißlücke beiträgt. OVID schlussfolgert, dass trotz Fortschritten im heimischen Raps- und europäischen Sojaanbau die vollständige Schließung der Eiweißlücke unrealistisch bleibt.