Pharma-Verband: Gesundheitssystem auf Krisen nicht gut vorbereitet
Der Pharma-Bundesverband BPI legt eine Sicherheitsstrategie vor, die die mangelnde Vorbereitung des deutschen Gesundheitssystems und der Arzneimittelversorgung auf Kriegs- und Krisenfälle bemängelt.

Der Pharma-Bundesverband BPI (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie) hat eine Sicherheitsstrategie veröffentlicht, die auf die unzureichende Vorbereitung des deutschen Gesundheitssystems und der Arzneimittelversorgung im Falle von Kriegen und anderen Krisen hinweist. Der Verband fordert mehr nationale und europäische Souveränität in der Medikamentenversorgung.
Laut BPI ist die Arzneimittelversorgung in Deutschland stark gefährdet. Rund 80 Prozent der Medikamente seien generisch und zwei Drittel der Wirkstoffe würden in Asien, insbesondere in China und Indien, hergestellt. Diese hohe Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten birgt ein erhebliches Risiko, wie sich bereits während der COVID-19-Pandemie gezeigt habe, als Indien die Lieferung von Medikamenten aussetzte, um den eigenen Bedarf zu decken.
Der Verband sieht die Situation durch geopolitische Spannungen, Klimakrisen und neue Bedrohungen wie antimikrobielle Resistenzen verschärft. Die Produktion von Wirkstoffen in Europa sei stark zurückgegangen. Ein Beispiel sei die Penicillinproduktion, die sich auf wenige Standorte konzentriere. Der Ausfall einer solchen Anlage, beispielsweise durch technische Störungen oder Cyberangriffe, könnte die Antibiotikaversorgung des gesamten Kontinents gefährden. Solche Produktionsstätten gelten als strategische „Resilienzanker“.
Sebastian Schütze, Geschäftsführer Politik beim BPI, erklärt, dass der Preisdruck bei Generika die Produktion aus Deutschland verdrängt habe, da sie hierzulande unrentabel geworden sei. Trotz Erkennung des Problems setze sich die Abwanderung der Wirkstoffproduktion fort. Schütze warnt, dass derzeit bereits über 500 Arzneimittel in Deutschland nicht lieferbar seien. Diese Marktkonzentration mache das System in Krisenzeiten noch anfälliger.