Psychologin widerlegt gängige Mythen über Lügenerkennung
Blickkontakt und Lächeln sind unzuverlässige Indikatoren für Unehrlichkeit, so die Psychologin Leanne ten Brinke. Stattdessen sollten gezielte Rückfragen gestellt werden.

Die Fähigkeit des Menschen, Lügen zu entlarven, ist begrenzt und liegt laut Forschung im Durchschnitt bei einer Trefferquote von etwa 54 Prozent. Die Psychologin Leanne ten Brinke warnt davor, sich auf verbreitete Anzeichen wie ausweichenden Blickkontakt oder die Qualität eines Lächelns zu verlassen, da diese keine verlässlichen Beweise für Täuschungsabsichten liefern.
Ten Brinke stellt fest, dass Menschen oft intuitiv nach nonverbalen Hinweisen suchen, um Unehrlichkeit aufzudecken. Dabei werden kulturell verankerte Mythen wie das Meiden des Blickkontakts überbewertet. Auch die Analyse von Lächeln ist fehleranfällig: Ein Lächeln ohne Beteiligung der Augenpartie kann ebenso auf soziale Höflichkeit hinweisen wie auf eine Täuschung.
Effektivere Anhaltspunkte für Lügen sind Anzeichen von kognitiver Belastung, wie häufige Sprechpausen oder Füllwörter. Diese entstehen, wenn eine Person versucht, eine konsistente, aber falsche Geschichte aufrechtzuerhalten. Um die Wahrheit zu verifizieren, empfiehlt ten Brinke daher das Einfordern detaillierter, überprüfbarer Informationen.
Durch das Stellen offener Fragen, die über oberflächliche Details hinausgehen, lassen sich Inkonsistenzen in der Erzählung schneller identifizieren. Diese Erkenntnisse basieren auf der Untersuchung sogenannter dunkler Persönlichkeitsmerkmale, zu denen Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie zählen.