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Wissenschaft

Gesteinsverwitterung kann CO2-Emissionen aus tauendem Permafrost entgegenwirken

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass tauender Permafrost zwar Kohlenstoff freisetzt, die Gesteinsverwitterung jedoch auch Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden kann. Dieser geologische Prozess könnte die globale Erwärmung erheblich verlangsamen.

19. Juni 2026
Gesteinsverwitterung kann CO2-Emissionen aus tauendem Permafrost entgegenwirken

Eine neue, im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie zeigt, dass tauender Permafrost zwar Kohlenstoff freisetzt, aber auch die Entnahme von Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre fördern kann. Dieser geologische Prozess, der in Klimamodellen bisher wenig Beachtung fand, könnte die globale Erwärmung signifikant verlangsamen.

Der Klimawandel führt zur globalen Permafrostschmelze, wodurch große Mengen organischen Kohlenstoffs freigesetzt werden. Dieser wandelt sich in Flüssen zu CO2 und wird an die Atmosphäre abgegeben, was eine positive Rückkopplungsschleife darstellt, die die Erwärmung beschleunigt. Die Studie liefert jedoch Belege dafür, dass die Verwitterung von Gesteinen diesen Kreislauf abmildern kann.

Die Forschung konzentrierte sich auf Fließgewässer auf dem Qinghai-Tibet-Plateau, der größten zusammenhängenden Permafrostregion außerhalb der Arktis und Antarktis. Das Team kombinierte CO2-Emissionsmessungen mit chemischen Analysen in 50 Flüssen, um zu quantifizieren, wie sich das Verhältnis von CO2-Bindung zu CO2-Freisetzung in tauenden Permafrostgebieten verschiebt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die durch Verwitterung gebundenen Kohlenstoffmengen bis zu 35 % der flussbedingten CO2-Emissionen in der untersuchten Region kompensieren können. In Gebieten mit durchgehendem Permafrost gleicht die Verwitterung 15 % der Emissionen aus, während in Gebieten mit sporadischem oder fehlendem Permafrost dieser Wert 100 % übersteigen kann. Dies weist auf eine zunehmende Bedeutung der Gesteinsverwitterung mit fortschreitender Permafrostschmelze hin.

Die Forscher betonen, dass die Auswirkung der Verwitterung von der Art der freigesetzten Mineralien abhängt. Die Verwitterung von Silikatmineralen, die auf dem Plateau verbreitet sind, kann CO2 binden. Die Verwitterung von Sulfidmineralen wie Pyrit kann hingegen Emissionen erhöhen. Diese multidisziplinäre Studie verknüpft anorganische und organische Kohlenstoffkreisläufe auf für den Menschen relevanten Zeitskalen.

Originalquelle: lmu.de