Rockefeller Foundation: Führung ist ein Ergebnis von Beziehungen, nicht von Individuen
Mies de Koning von der Rockefeller Foundation hinterfragt traditionelle Führungsmodelle und betont die Bedeutung von Beziehungen und kollektiver Intelligenz. Diese Neuausrichtung sei entscheidend für heutige Organisationen.

Mies de Koning, Vice President of Talent & Organizational Development bei der Rockefeller Foundation, stellt traditionelle Führungsansätze in Frage, die stark auf das Individuum ausgerichtet sind. De Koning schlägt vor, dass Führung eher als Ergebnis von Beziehungen und kollektiven Prozessen verstanden werden sollte, inspiriert von den Prinzipien der Imago-Therapie.
Jahrzehntelang konzentrierte sich die Führungskräfteentwicklung auf den einzelnen "Visionär" oder "starken Manager". De Koning argumentiert jedoch, dass Wachstumseinheit nicht das Individuum allein ist, sondern die Beziehung. Über die Imago-Therapie wird nahegelegt, dass jeder Mensch, dem wir begegnen, ein Spiegel unserer ungelösten frühen Beziehungserfahrungen ist.
Die von der Imago-Therapie geförderte Haltung des "Spiegelns" und dialogischen Austauschs, bei dem ein Partner spricht und der andere aktiv zuhört und das Gehörte wiedergibt, kann auf Organisationen übertragen werden. Dies fördert laut de Koning "Inside Out Leadership", bei dem Selbsterkenntnis eine Grundlage bildet, aber die wahre Führungskompetenz in der relationalen Interaktion mit anderen entsteht.
In der heutigen "Imaginationsära", die menschliche Kreativität und emotionale Intelligenz erfordert, ist dieser Fokus auf Beziehungen kein "Soft Skill", sondern eine strukturelle Notwendigkeit. Wenn künstliche Intelligenz individuelle Expertise simulieren kann, liegt der entscheidende Wert in der kollektiven Fähigkeit, gemeinsam Sinn zu stiften und mit Spannungen umzugehen. Organisationen sollten demnach eine Infrastruktur schaffen, die Empathie und Validierung normalisiert.
De Koning betont, dass Führungskräfte die "Unvollständigkeit" anerkennen müssen. Das Team ist nicht nur ein Unterstützungsapparat für die Vision, sondern vervollständigt sie. Die kollektive Kreativität und Zuversicht einer Organisation entsteht, wenn individuelle Erfahrungen und Mut dialogisch eingebracht werden. Die Messung von Führung sollte sich daher stärker auf das konzentrieren, was eine Gruppe gemeinsam wird, anstatt nur auf die Leistung einzelner Personen.