Sparmaßnahmen gefährden Arzneimittelversorgung und Pharmastandort
Die FinanzKommission Gesundheit hat ihren ersten Bericht zur Stabilisierung der GKV-Finanzen veröffentlicht. Pharmaunternehmen warnen, dass bestimmte Sparvorschläge die Arzneimittelversorgung und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland schwächen könnten.

Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte FinanzKommission Gesundheit (FKG) hat ihren ersten Bericht mit Empfehlungen zur Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgelegt. Unter den 66 Vorschlägen befinden sich Sparmaßnahmen, die nach Ansicht der Pharmaindustrie die Arzneimittelversorgung und den Pharmastandort Deutschland gefährden.
Ein zentraler Punkt ist die Anhebung des Herstellerabschlags, den Pharmaunternehmen den Krankenkassen gewähren müssen. Die FKG empfiehlt eine Erhöhung von sieben auf 14 Prozent ab 2027, mit jährlicher Dynamisierung ab 2028. Die Kommission geht davon aus, dass dies keine Auswirkungen auf die Versorgungsqualität hat.
Branchenverbände wie BPI, Pharma Deutschland und vfa widersprechen dieser Einschätzung. Sie verweisen auf Studien, die zeigen, dass jeder eingesparte Euro im Arzneimittelbereich zu dreifachen negativen Wertschöpfungs- und Investitionseffekten führen kann. Eine Erhöhung des Herstellerabschlags entspreche einem Verlust von Milliardeninvestitionen, was die Innovationskraft und die Investitionsbereitschaft schmälere.
Der Bericht schlägt auch weitere Einnahmemöglichkeiten vor, darunter eine Tabaksteuererhöhung und eine Reform der Beitragsfinanzierung für Bürgergeldempfänger. Insgesamt könnten durch die Umsetzung aller 66 Empfehlungen laut FKG im Jahr 2027 Einsparungen von 42,3 Milliarden Euro erzielt werden, während die Deckungslücke bei 15,3 Milliarden Euro liegt.
Die Pharmaindustrie appelliert an die Bundesregierung und das Parlament, die längerfristigen Folgen der Sparmaßnahmen für die Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu berücksichtigen. Weitere Kürzungen könnten dazu führen, dass Innovationen für Patienten in Deutschland später oder gar nicht verfügbar sind.